Autogenes Training

Autogenes Training ist ein Entspannungsverfahren, das von dem Berliner Psychiater Johannes H. Schultz entwickelt wurde. Es handelt sich um eine Psychotherapiemethode, in der Autosuggestionen zum Einsatz kommen. Es gibt Ähnlichkeiten zum Qi Gong.

Autogenes Training als Ergänzung zu Tai Chi

Tai Chi ist eine chinesische Kampf- und Bewegungskunst, die auch als „Meditation in Bewegung“ bekannt ist. Die langsamen und fließenden Bewegungen des Tai Chi wirken in besonderer Weise entspannend auf den Ausführenden. Oftmals kommen zu den äußeren Bewegungen innere Bilder hinzu, die den Bewegungen eine besondere Qualität verleihen. Auch im Qi Gong und Autogenen Training wird mit inneren Bildern gearbeitet. Das Entspannungsverfahren von Johannes Schultz ist als Ergänzung zum Tai Chi anerkannt, weil es auf Bewegungen verzichtet und den Schwerpunkt auf Entspannung und Visualisierungen legt. Autogenes Training zielt darauf ab, Entspannungsprozesse im Körper bewusst auszulösen.

Autogenes Training hilft bei:

Tai Chi Übungen und Autogenes Training
Autogenes Training als Ergänzung zu Tai Chi

Muskelverspannungen

Konzentrationsdefiziten

Reizbarkeit und Ungeduld

Ängste und Unsicherheiten

Schlafprobleme

Durchblutungsstörungen

Allgemeine Schwäche von Muskeln, Kreislauf und Nervenbahnen

Diese Problemfelder können auch mit Tai Chi behandelt werden. Während es im Tai Chi darum geht, die Bewegungen des Körpers mit den Gedanken und Gefühlen in Einklang zu bringen, steht beim Autogenen Training die Autosuggestion im Vordergrund. Der Praktizierende spricht sich bestimmte Hilfsformeln vor, die einen Entspannungszustand in einem bestimmten Körperteil herbeiführen. Diese Form der Selbsthypnose ist dazu gedacht, um körperliche Prozesse willentlich zu steuern. Im Tai Chi gibt es im Hinblick auf Qi Gong und „innere Alchemie“ ähnliche Verfahren.

Autogenes Training – Die Grundstufe

Die Grundstufe setzt sich aus sechs Übungen zusammen, in denen es darum geht, bestimmte Körpergefühle zu erspüren und Körperzustände zu beeinflussen. Die Voraussetzung für das Gelingen ist ein ruhiger Körper- und Geisteszustand. Dem Autogenen Training als solches geht also bereits eine Phase der Entspannung und Einstimmung voraus. Die Suggestionen werden in einfachen und kurzen Sätzen wiederholt

Erleben der Schwere (Beispielsuggestion: Die Arme sind ganz schwer.)

Erleben der Wärme (Beispielsuggestion: Die Füße sind ganz warm.)

Herzregulierung (Beispielsuggestion: Ich habe einen regelmäßigen Puls.)

Atmungsregulierung (Beispielsuggestion: Mein Atem ist ruhig und gleichmäßig.)

Bauchwärme (Beispielsuggestion: Mein Bauch ist warm.)

Stirnkühlung (Beispielsuggestion: Ich habe eine kühle Stirn.)

Zu  den Hilfsformeln werden je nach Ausführung unterschiedliche innere Bilder, also Visualisierungen, benutzt. So kann man sich beispielsweise bei der Schwereübung vorstellen, dass an den Händen Gewichte befestigt sind, die die Arme nach unten hin schwer machen.

Autogenes Training – Die Mittelstufe

Auf der mittleren Stufe wird über die Steuerung von Gefühlen hinausgegangen und Verhaltensänderungen beabsichtigt. Im Tai Chi steht dieser Aspekt nicht im Vordergrund. Zwar kann es auch zu Veränderungen im Verhalten kommen – zum Beispiel können ruhige und gelassene Handlungen verstärkt auftreten – aber gezielt trainiert wird dies nicht.

Im Autogenen Training werden Vorsätze gesprochen und verinnerlicht. Es handelt sich um ausschließlich positive Formulierungen, die bestimmte Verhaltensweisen begünstigen sollen. Beispielsweise dient der Vorsatz „Ich bin ruhig und gelassen.“ der Vorbereitung auf eine öffentliche Rede oder eine Prüfung.

Autogenes Training – Die Oberstufe

Die Oberstufe des Autogenen Trainings ist auf einen therapeutischen Nutzen ausgelegt. Bei der analytischen Oberstufe von Heinrich Wallnöfer lassen sich psychoanalytische Techniken finden. Auf der Oberstufe wird die erarbeitete Entspannung weiter vertieft und es werden konkrete Probleme thematisiert. Die Techniken dienen sowohl der Beseitigung psychischer Probleme als auch der Schmerzablenkung im physischen Bereich.

Die grundlegendsten Gemeinsamkeiten zwischen Tai Chi, Qi Gong und dem Autogenen Training sind die Entspannung und die Arbeit mit Visualisierungen. Im Tai Chi und Qi Gong werden die inneren Bilder benutzt, um die Energieleitbahnen zu erspüren. Im Autogenen Training werden Bewusstseinszustände und Körperzustände beeinflusst.

Autor: Christoph Eydt

Foto: Taiji- Europa