6. Tai-Chi Tcho

Von Helmut Oberlack

28. bis 30. Oktober 2011 in La Chaux-de-Fonds (CH)

Zum sechsten Mal organisierte Cornelia Gruber-Bilgeri im vergangenen Herbst das Tai-Chi Tcho, ein großes internationales Treffen für Taijiquan und Qigong. Über 140 TeilnehmerInnen kamen aus verschiedenen europäischen Ländern zu einem lehrreichen und vergnüglichen Wochenende zusammen. Auch Helmut Oberlack war wieder dabei.

Tai Chi Tcho, Schweiz

Das halbe Dutzend ist voll, so oft hat Cornelia Gruber schon ein Treffen für die FreundInnen der inneren Künste in der Westschweiz organisiert. Auch dieses Mal waren wieder die Liebe zu den Künsten und die große Gastfreundschaft, die Cornelia Gruber und ihr großes SchülerInnen- Team auszeichnet, zu spüren.

Wie immer wurde der große Saal des Maison du Peuple, dem zentralen Veranstaltungsort im Zentrum von La Chaux-de-Fonds, schön geschmückt. Dieser war der zentrale Treffpunkt, der Speisesaal, dort war die Bar, dort fanden die Registrierung, ein Teil der Workshops und am Samstagabend die Vorführungen nebst Disco statt. Und trotz dieser vielen Funktionen war keine Hektik zu spüren. Am Freitagabend, dem Anreisetag, steht traditionsgemäß immer etwas Besonderes auf dem Programm. Vor vier Jahren wurde ein Taiji-Film gezeigt, den Cornelia mit ihren SchülerInnen selbst konzipiert und gedreht hatte. Vor zwei Jahren gab es einen Spieleabend mit dem selbstentwickelten Spiel »Sifu«, bei dem man durch einen geschickten Einsatz der fünf Elemente den Titel eines Sifu gewinnen kann. Dieses Jahr gab es – nach der obligaten Begrüßung und Vorstellung der ReferentInnen – zur Abwechslung keine Eigenkreation, sondern einen Kalligraphieabend mit Wang Ning. Nach einem Einführungsvortrag durften sich alle an ersten Schreibübungen auf großen Papier- bahnen versuchen und sich der Herausforderung stellen, Anfang, Strichführung und Ende mit einem Pinsel zu einer harmonischen Gesamtbewegung werden zu lassen. So konnten auch die Taiji- und Qigong-Erfahrenen ihren Anfängergeist schulen. Am Ende wurden die großen Papiere, die auf den Tischen für unsere Kalligraphie-Übungen ausgerollt waren, an die Ballustrade gehängt, so dass sie uns das ganze Wochenende begleiteten.

Der Samstag und der Sonntagvormittag standen nach den Morgenübungen im Zeichen der Workshops. 23 Unterrichtende aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und der Schweiz boten in fünf Workshopblöcken ein breites Spektrum von Qigong und Taijiquan: Formen und Prinzipien, Solo- und Partnerübungen, mit und ohne Waffen. Hier gab es immer wieder die Qual der Wahl, sowohl für AnfängerInnen als auch für die Fortgeschrittenen.

Neben dem Maison du Peuple, in dem immer vier Workshops parallel stattfanden, gab es noch drei andere Orte, die binnen 15 Minuten zu Fuß erreicht werden konnten. Dennoch war es bei einer halben Stunde Pause zwischen den Workshops mitunter recht knapp, pünktlich zum nächsten Workshop zu erscheinen, gerade wenn man wirklich etwas Pause brauchte. Glücklicherweise spielte wie so oft das Wetter mit und so hatte der Weg durch die Stadt entlang der alten Häuser etwas von einer Stadtbesichtigung.

Tai Chi TchoSchweizDer zweite gemeinsame Höhepunkt war wie immer der Samstagabend. Er begann mit Vorführungen, die überwiegend von den ReferentInnen dargeboten wurden. Hier wurde die große Vielfalt, in der Qigong und Taijiquan ausgeübt werden, sichtbar. Beeindruckend fand ich die Vorführung von Cornelia mit ihren SchülerInnen, die auf den ersten Blick etwas verwirrend wirkte, auf den zweiten Blick kam jedoch die wohldurchdachte Choreographie zum Vorschein.

Tai Chi Tcho_SchweizEtwas chaotisch, aber deswegen interessant war auch die gemeinsame Demonstration von verschiedenen Interpretationen der Taiji-Form nach Zheng Manqing. Wang Ning ließ sich von einer herausragenden Schwertform-Darbietung von Faye Li Yip zu einer simultanen Kalligraphie inspirieren. Nach den Vorführungen gab es ein Festessen und anschließend Disco bis früh in den Morgen. Wer sich lieber mit anderen ruhig unterhalten wollte, ging in einen Nebenraum, in dem das »Cafe Chan« eingerichtet war.

Auch am Sonntag gab es eine Veranstaltung für alle. Wie bei jedem Tai-Chi Tcho gingen alle TeilnehmerInnen in den nahe gelegenen Museumspark und es entstand ein buntes Treiben mit Qigong und Taijiquan. Dieser Teil des Treffens ist gedacht als Geschenk an die Stadt und auch als ein Weg, Qigong und Taijiquan weiter im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Zu diesem Termin lädt Cornelia Gruber Pressevertreter ein und sorgt somit für mehr Öffentlichkeit für Qigong, Taijiquan und natürlich auch für ihre Schule.

Nach diesem Ausflug ging es zurück ins Maison du Peuple, wo das Mittagessen serviert wurde. Anschließend standen freies Tuishou und weitere Workshops auf dem Programm. Leider leerte sich das Treffen schon zur Mittagszeit, denn viele, die einen längeren Weg nach Hause vor sich hatten, mussten schon abreisen. Von La Chaux-de-Fond sind es gut zwei Stunden zu einer Stadt mit einem größeren Bahnhof oder Flughafen wie Basel, Genf oder Zürich.

Tai-Chi Tcho gehört zu meinen Lieblingstreffen in Europa. Die Freundlichkeit der Gastgeber und die vielen netten Details (wie wechselnde Tisch-Dekorationen und der große Korb mit Äpfeln) machen neben der hohen Qualität der Unterrichtenden das Treffen zu einem schönen Erlebnis. Ich freue mich, dass Cornelia Gruber schon angekündigt hat, dass sie das Treffen weiter fortführen will. Ich denke, ich bin Ende Oktober 2013 wieder dabei.

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Tai Chi Stock und Schwert 

Fotos: Ronnie Robinson

Weitere Bilder zum Tai Chi Tcho

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