Interview mit Katy Cheng

Könnten Sie mir sagen, was für ein Gefühl es ist die Tochter des Großmeisters Cheng Man Ching zu sein?

Ich schätze das Erbe meines Vaters wirklich. Er war Meister mehrerer unterschiedlicher Disziplinen: Kunst, Dichtung , Medizin, Kalligraphie und Tai Chi. Er mochte es am liebsten Tai Chi zu unterrichten und Gesundheit in die Welt zu bringen.

Wie alt waren Sie als sie zum ersten Mal bewusst Tai Chi wahrnahmen?
Ich begann mit drei Jahren Tai Chi zu machen. Mein Vater sagte ich sei zu jung, um es zu lernen. Aber ich sagte : „Nein, ich möchte es genau jetzt lernen.“ Ich sah alle diese Menschen beim Tai Chi-Lernen und wurde auch interessiert es zu lernen. Mein Vater sagte, er würde mich nicht wecken, aber wenn ich morgens früh da sein würde, nähme er mich mit auf den Berg, um mit den anderen Studenten zu lernen. Jeden morgen kletterte ich nun den Berg hinauf um vor Tagesanbruch mit den anderen zu lernen.

Katy Cheng in Hannover 2004
Katy Cheng in Hannover 2004

Was haben Sie mit drei Jahren gelernt?
Ich bin einfach meinem Vater gefolgt.

Wann begann er sie zu korrigieren?
Er korrigierte mich und meine ältere Schwester, die auch mit uns kam, stets. Als ich in der Junior Highschool war, begann ich selbst zu unterrichten. Ich wollte den Jungen und Mädchen Pfadfindern helfen.

Wann sind sie in die USA gezogen?
Um 1970.

Was war das für Sie für ein Gefühl dorthin zu ziehen?
Ich war glücklich dort zu sein. Wir reisten auch zwischen Taiwan und den USA hin und her. An den Wochenenden arbeitete ich mit meinem Vater im Tai Chi Studio und half ihm beim Korrigieren.

Ellen und Katy Cheng 2002.
Ellen und Katy Cheng 2002.

Fand Ihr Vater einen großen Unterschied beim Lernen des Tai Chi zwischen den Menschen im Westen und denen in Taiwan?
Ja, einen großen Unterschied. Mein Vater war sehr glücklich in den USA zu unterrichten. Die Amerikaner waren viel stärker und sehr eifrig im Lernen. Viele Menschen, die er in Taiwan unterrichtete, kamen, weil sie krank waren und wieder gesund werden wollten. Das war das Hauptmotiv der Leute in Taiwan.

In Amerika waren die Leute neugierig die Kampfkunst zu lernen. Sie waren gesunde Leute und bereit hart zu arbeiten. Er konnte außerdem über Laotse und die Philosophie der Kunst sprechen, da sie sehr offen dafür waren. Ich empfinde das auch heute noch so, sogar noch stärker. Chinesen denken es kann ihnen leicht zufallen und sie sind nicht so bereit so hart beim Lernen zu arbeiten. Sie sind oft faul und üben nicht viel.

Wie genau nahm es Ihr Vater beim Unterrichten der Hand-Form?
Hat er es sehr genau genommen, wo die Leute ihre Hände platzierten oder ihre Füße? Ja, es war ihm sehr wichtig, dass die Leute es korrekt lernten.

Dann gibt es also eine definitive Version des CMC-Stils, auf die wir uns beziehen können?
Jede Form hat ihre Prinzipien, und wenn man diesen Prinzipien folgt, ist es gut. Wenn man weiß , wie diese Prinzipien anzuwenden sind, ist es gut. Wenn man nicht weiß, wie man sie nutzt, hat man ein Problem.

Also arbeiten Sie auch mit den Anwendungen der Haltungen?
Ja. Aber man muss das Außen mit dem Innen verbinden. Wenn man anfängt die Kunst zu lernen, beginnt man mit dem äußeren Umriss und geht dann weiter zum ganzen Bild. Im Tai Chi beginnt man mit der äußeren Form und verbindet dies dann mit dem Inneren. Es ist wie beim Bau eines Hauses, da muss man viele Dinge beachten: die äußere Gestalt, die Innenarbeit, den Charakter und den Geist. Man sollte zugleich hohe moralische Standards haben. Es verändert die Persönlichkeit, wenn man Tai Chi praktizierst.

Im Cheng Man Ching-Stil, so wird oft gesagt, ist es manchmal schwer die Anwendungen zu erkennen. Könnten Sie etwas über dieses Gefühl sagen?
Schauen Sie sich die beiden Filme meines Vaters an, auf einem ist er jünger, auf dem anderen älter. Er hat sehr unterschiedliche Dinge auf die- sen Filmen gezeigt. Als er älter war, hat er auf eine andere Art unterrichtet, einen anderen Körper und ein anderes Verständnis eingesetzt, und so sind die Dinge nicht so offenkundig.

Katy und Ellen mit Meister William Chen 2004 in Hannover.
Katy und Ellen mit Meister William Chen 2004 in Hannover.

Wie oft geben Sie Kurse?
An jedem Wochenende gebe ich Kurse, aber ich annonciere nicht und arbeite nur mit wenigen Studenten.

Wie stehen Sie zu Wettkämpfen?
Nun, wenn Leute wettstreiten, sind sie nervös und ihre Energie ist sehr hoch. Also könnte es ihnen eine Gelegenheit sein an ihrer Entspannung zu üben. Aber oft ist es wie Stierkampf, und das mag ich nicht.

Also sieht man bei vielen Tui Shou-Wettbewerben nicht den Einsatz von Tai Chi?
Das stimmt. Der Lehrer unterrichtet die Prinzipien korrekt und der Schüler lernt sie korrekt. Aber unter dem Wettbewerbsdruck verschwinden beim Tui Shou die Tai Chi-Fähigkeiten. Zuallererst muss man Vertrauen haben, dass Tai Chi eine effektive Selbstverteidigung ist, aber es endet damit, dass sie rohe Kraft einsetzen und es nicht für sie funktioniert.

Welches Gefühl haben Sie bei der Entwicklung, die die Arbeit ihres Vaters mit Tai Chi genommen hat?
Ich denke, es ist sehr gut und ich bin sehr stolz. Es ist schön so viele Menschen aus so vielen Ländern zu sehen, die seine Arbeit fortsetzen.

Dieses Interview ist aus dem Programmheft des 2. Cheng Man Ching Forums 2004 in Hannover entnommen.

Fotos: L. Liebermann

Offizielle Website der Cheng Man Ching Famlilie

Videos mit Katy Cheng

Diese Videos sind Ausschnitte von der DVD 2. Cheng Man Ching Forum 2004 und zeigen Katy Cheng bei Ihrem Workshop und auf der Bühne den Tai Chi Prinziepien Song mit Text von Ihrem Vater Prof. Cheng Man Ching singend.

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