Qi Gong: Ein Weg der Harmonie – Eine Methode der Selbstheilung

Qi Gong – Wege der traditionellen chinesischen Medizin zur Heilung und Gesunderhaltung

Qigong Übungen zur SelbstheilungIn den letzten Jahren sind im Westen viele Theorien und Praktiken, die aus östlichen Kultur-und Lebensformen stammen bekannt geworden, haben sich innerhalb relativ kurzer Zeit etabliert und einen großen Zulauf von mehr oder weniger ernsthaft übenden Menschen erhalten.
Unter diesen, zur Aufrechterhaltung der Gesundheit und Heilung von Krankheiten praktizierten Methoden nimmt das Qi Gong mittlerweile einen besonderen Stellenwert ein. Wegen der großen Heilungs- und Behandlungserfolge, besonders auch im Bereich der ernsthaften und chronischen Erkrankungen, hat es sich in den letzten Jahren auch in Europa und Amerika schnell verbreitet und erfreut sich zunehmender Beliebtheit. So gibt es weltweit Millionen von Menschen, die mit Hilfe der Übungen des Qi Gong ihren Gesundheitszustand erhalten und verbessern wollen, oder sogar Erkrankungen behandeln lernen.
Mittlerweile gibt es auch eine Reihe weltweiter medizinischer Forschungen und Ergebnisse auf diesem Gebiet, durch die die dem Qi Gong zugrunde liegenden Theorien bestätigt werden. Häufig ist jedoch der theoretisch/philosophische Hintergrund relativ unbekannt und soll deshalb zum besseren Verständnis etwas eingehender erläutert werden.

Was ist es also, dieses Qi Gong, bei dem die Übenden häufig langsam und bedächtig ausgeführte Bewegungen praktizieren und versuchen, ihren „Geist“ in Ruhe zu bringen, um dadurch einen Zustand von Meditation und Regeneration auf allen Ebenen zu erreichen?

Der Begriff Qi Gong wurde in China, seinem Ursprungsland, schon in früher Zeit gebraucht. Bereits in Schriften aus dem 2. Jahrhundert nach Chr. wurde es beschrieben und auf wichtige Rahmenbedingungen hingewiesen, wie z.B. eine ruhige Übungsumgebung, Meditations – und Atemanweisungen, förderliche Körperhaltungen und Körperbewegungen. Zum besseren Verständnis sollen hier einige wichtige theoretische Grundlagen dargestellt werden, die auf das Qi Gong, so wie es heute praktiziert wird, wesentlichen Einfluss hatten.

Das Prinzip von „ausdehnen“ und „zusammenziehen“

Das bedeutet soviel wie ausdehnen (vom Zentrum nach außen, von der Ruhe zur Bewegung) und zusammenziehen (von außen zum Zentrum, von der Bewegung zur Ruhe). Es beinhaltet das Einziehen und Zentrieren von Lebensenergie (Jing).
Geistige und körperliche Aktivität sind hier wie die Zahnrädchen in einem Uhrwerk unabdingbar miteinander verbunden. Körperhaltungen und Körperbewegungen werden mit gedanklichem Inhalt „gefüllt“, um eine optimale Aufnahme von frischem Qi (Chi) (Lebensessenz, Lebenskraft) und ein Loslassen von verbrauchtem Qi zu gewährleisten. Dazu ist eine optimale, ausgedehnte und entspannte Körperhaltung und eine ruhige geistige Verfassung notwendig, wobei entspannt nicht mit schlapp verwechselt werden darf. (also ein Zustand der Eutonie = Wohlspannung)

Das Training der geistigen Aktivität und der inneren Zentrierung steigert die Entfaltung der sinnlichen Wahrnehmung. Das gedankliche Focussing steigert die Konzentrationsfähigkeit und führt nach längerem Üben in den Zustand der Meditation und geistigen Ruhe mit der Folge der Regeneration des Organismus auf allen Ebenen.
Wie bereits erwähnt geht es neben der Aufnahme frischer Lebenskraft über Atmung, Nahnrung und Geisteshaltung auch darum, Altes loszuwerden. Auch hierfür dient als „Träger“ der Atem in Verbindung mit der geistigen Aktivität (Vorstellungskraft). So macht es einen Unterschied, ob ich „nur“ ausatme, oder ob ich mir dabei vorstelle Spannungen, Verbrauchtes, Schmerzen usw. aus mir heraus zu atmen und dadurch los zu lassen.

Nach Vorstellung der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und Qi Gong Theorie können bereits durch kleine Veränderungen des Atems große Veränderungen der Lebensphänomene erreicht werden.
Nach der ganzheitlichen Denkweise der alten Daoisten werden der Atem sowie alle anderen Lebensäußerungen des Mikro- und Makrokosmos durch „Qi“, die feinstoffliche Grundsubstanz des Universums erzeugt.
Der menschliche Atmungsprozess unterliegt dem Gesetz von Ausdehnung und Zusammenziehung. Alle Prozesse der Universums unterliegen diesem Gesetz. Genau betrachtet stellt auch der Lebensweg eines Menschen einen fortwährenden Prozess von „ausdehnen“ und „zusammenziehen“ dar, bis an sein Lebensende. Daraus ergibt sich das Prinzip der Bewegung und der Umwandlung. Durch das Erlernen feinsinniger Atemwahrnehmung erlangt der Qi Gong Übende die Fähigkeit regulativ auf seinen Organismus einzuwirken. Hierbei spielt wie bereits erwähnt die Verbindung von günstigen Körperhaltungen und Körperbewegungen in Verbindung mit einer förderlichen Gedankeneinstellung eine wesentliche Rolle.

Zur Rolle des „ Geistes“:

Generell ist es wichtig, den „Geist“ zu bewahren.
Den Geist bewahren bedeutet seine gedanklichen Aktivitäten zu zentrieren, um die innere Umgebung zu bewahren, damit Jing Qi (Lebensmaterie und Lebensenergie) nicht unnötig verbraucht wird.
R21Im Qi Gong , und natürlich auch im Alltagsleben soll geübt werden, den Geist in einen klaren und ruhigen Zustand zu bringen und zu bewahren. Das erzeugt eine harmonische Stimmung, eine bewusste Atmung, eine gute Anpassungsfähigkeit an die Außenwelt, Stressreduzierung, eine gute Selbstwahrnehmung und Selbstkontrolle zur Entfaltung der eigenen Kreativität und der geistigen Fähigkeiten, des eigenen Potentials. Häufig kommt es durch das Üben von Qi Gong (und auch anderen meditativen Übungsformen) erst zu einer umfassenden Erkenntnis, welche Fähigkeiten in einem selbst ruhen und wie es sich anspürt, die Verantwortung für seine inneren Prozesse zu übernehmen.
Der Prozess des ständigen Gedankenkarussells, Zerstreuung und Konzentrationsmangel wird unterbrochen, Heilungs- und Regulationsprozesse gefördert.
Nach einiger Übung können diese erlernten Fähigkeiten auch zur Beseitigung oder Linderung von Krankheiten eingesetzt werden.
So lässt sich sagen, dass der Begriff Qi alle aktiven energetischen Prozesse im Kosmos und im Menschen bezeichnet.
Der harmonische und ungehinderte Qi Fluss wurde und wird in der chinesischen Medizin als eine Grundvoraussetzung für Gesundheit und Vitalität angesehen. Meines Wissens gibt es über 20 verschiedene Arten von Qi, die die verschiedensten energetischen Prozesse lenken und nähren und im Zusammenspiel das Qi auf den „Leitbahnen“ hervorbringen.

Im Qi Gong lernt der Übende das Qi in seinem Körper wahrzunehmen und es zu leiten.
Dies geschieht im wesentlichen durch drei Faktoren:

  • durch eine meditative und ruhige Atemführung
  • durch bestimmte, den Qi Fluss fördernde Bewegungen, Körperhaltungen und Massageübungen
  • durch umfassende Konzentrations- und Meditationsübungen.

Dieses sind die drei Hauptkomponenten des Qi Gong.

Durch Üben von Qi Gong erlangt man eine Weichheit und Offenheit sich selbst gegenüber, die Dinge des Alltags bekommen eine deutlichere Wertigkeit, die Wahrnehmung wird sensibilisiert. Dabei ist es äußerst wichtig, diese Ziele nicht über Maßen anzustreben, damit
der innere Wachstumsprozess in Ruhe und ohne Selbstzwang stattfinden kann, denn nur Ruhe und Gelassenheit bieten den optimalen Rahmen für ganzheitliche Entwicklung, um dadurch Blockaden auf den Energieleitbahnen zu beseitigen.

Beim Erlernen des Qi Gong (und auch vieler anderer ganzheitlicher Übungssysteme) scheint gerade die geistige Übung am meisten Schwierigkeiten zu bereiten, nicht unverständlich, wenn man die Übergewichtung der materiellen Äußerlichkeiten betrachtet.
Diese Übergewichtung hat vielfältige, störende Auswirkungen auf den Einzelnen und auch auf den sozialen Kontext, die dem Leser ausreichend bekannt sein dürften und deshalb nicht weiter ausgeführt werden sollen.
Neben diesen theoretisch/philosophisch Konzepten liegen dem Qi Gong auch praktische, medizinisch und wissenschaftlich erforschte und zu erforschende Dinge zugrunde.
So spielen in allen Übungen die in allen Lebewesen vorhandenen Energiekreisläufe eine
wesentliche Rolle. Nach Auffassung der trad. chin. Medizin und Qi Gong Theorie wird der menschliche Organismus von einem Netz von Energiekanälen durchzogen. (die sog. Meridiane, chinesisch: Jing Luo)
In diesen Kanälen fließt Qi als eine Essenz aus dem Qi der Luft, der verarbeiteten Nahrung und der angeborenen (kongenitalen) Energie. Fließt die Energie kraftvoll und reibungslos, dann gibt es keine Staus, nirgendwo zu viel (z.B. einige Formen der Migräne, Schmerzformen etc.) oder zu wenig. (z.B. frieren, kalte Gelenke, Erschöpfungssyndrome etc.)



Yin und Yang sind Symbole für die Einheit

Yin-YangDer ausgewogene, frei fließende Energiestrom entscheidet im Organismus über Gesundheit oder Krankheit, Leben und Tod. Da alles im Kosmos ständig in Bewegung ist, Leben Bewegung bedeutet, befindet sich auch der Energiezustand unseres Körpers im ständigen Wandel „ um die Mitte herum.“ Alles was wir tun, leben und erleben ist letztendlich auch energetisch zu betrachten. Im Qi Gong übt man, diese Energie, das Qi, zu erspüren und im Körper im Zustand der Ruhe zu lenken, oder auch fließen zu lassen..
Dem interessierten Leser geben gute Akupunkturatlanten Aufschluss über Lage und Verlauf der Meridiane.
Es bleibt zu sagen, dass Qi Gong ein sinnvolles und wichtiges Hilfsmittel zur Entfaltung des individuellen menschlichen Potentials bietet, erlernbar von Jedermann (Frau) in jedem Alter.
Es bleibt zu wünschen, dass möglichst viele Menschen etwas „für sich tun“, um ihr eigenes Leben und das Miteinander noch glücklicher und sinnvoller zu gestalten.

Gerade Menschen in pädagogischen, sozialpflegerischen und helfenden Berufen wie z.B Ärzte, Hebammen und Therapeuten tragen eine besondere Verantwortung für andere, und auch für sich selbst. Durch die ständigen hohen Anforderungen an und für Körper und Geist, ungünstige Arbeitszeiten, Zeitdruck und nicht zuletzt die Auseinandersetzung mit vielen menschlichen Schicksalen (glückliche als auch traurige) ist das eigene Qi, die eigenen Lebensenergie manchmal bis an die Grenzen belastet. Nicht zuletzt gibt es in den „Gesundheitsberufen“ eine hohe Krankheitsrate und häufiges „burn out“.
Hier kann mit Hilfe des Qi Gong die eigene Mitte und die innere Kraft und Ruhe gestärkt werden und so der Entstehung von Krankheiten (auf allen Ebenen) vorgebeugt werden.
Auch die Menschen, mit denen wir es dann zu tun haben werden spüren, das sie es mit jemandem zu tun haben, der zentriert ist. Diese Ruhe und innere Kraft hat ihre Ausstrahlung und kann so manch werdender Mutter helfen, sowohl Schwangerschaft als auch Geburt nicht nur anders zu betrachten, sondern anders zu erleben.
Aber auch der körperliche Aspekt der Qi Gong Übungen ist beachtenswert. Die Selbstwahrnehmung wird enorm gesteigert und die Übenden erlangen einen intensiven Kontakt zu sich selbst. Dadurch können sie in viele Prozesse steuernd und regulierend eingreifen, was gerade während der Gravidität und unter der Geburt günstig sein kann. Auch die Umgehensweise mit Schmerzen und Verspannungen ändert sich.
Im alten China gab es einen Vers: Wo das Herz ist, sind die Gedanken, wo die Gedanken sind, ist das Qi und wo das Qi ist, ist die Kraft…… und mit Ruhe und innerer Kraft erlebt sich alles anders.
Das Thema Qi Gong ist natürlich noch weit umfassender, als es vom Verfasser in diesem
kurzen Aufsatz dargestellt werden konnte.
Das Geschriebene soll anregen, sich bei Interesse ein wenig mehr auf die Selbst-Erfahrung und den Prozess der Selbst-Wahrnehmung einzulassen um auf diese Weise mehr Selbst-Verantwortung zu übernehmen.

Tipp: Unter „Qigong Überblick“ finden sie weiterführende Informationen zu Qigong

Autor: Rainer Galota
Jahrgang 56, Musiker, Supervisor, Motopädagoge, Entspannungspädagoge, Geschichtenerzähler, Qi Gong/Tajiquan Lehrer seit fast 30 Jahren, Schüler von Frau Dr. Josephine Zöller, Tuina- Therapeut, war langjähriger Mitarbeiter in einem Institut für trad. chin. Medizin in Bad Pyrmont
Autor von 14 Qi Gong Lehrfilmen (Prädikat der AOK: pädagogisch wertvoll)
Mehreren Tiefenentspannungs CDs, Hang Meditationsmusik CDs
Autor eines Buches über die Heilkräfte von Licht und Farben.
Leiter des Josephine Zöller Seminarzentrums „Josephine Zöller Haus“ im schönen Lipperland, in dem Sie auch Urlaub machen und zur Ruhe finden können.

Fotos: Rainer Galota und taiji-forum.de

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