German Taijiquan Open 2012

Von Nils Klug

Warum es Sinn macht, an einem Taiji-Wettkampf teilzunehmen

German_Taijiquan_Open_2012Im Rahmen der German Taijiquan Open werden zum ersten Mal offizielle Wettkämpfe in Taijiquan-Hand- und Waffenformen sowie Push Hands in Deutschland stattfinden. Im Vorfeld der Veranstaltung hat sich eine kontroverse Diskussion über Sinn und Zweck von Taijiquan-Turnieren entwickelt, in der häufig vergessen wird, dass Veranstaltungen dieser Art eine lange Tradition haben.

German Taijiquan Open – die ersten offiziellen Taijiquan-Meisterschaften

Vom 25. bis 27. Mai 2012 finden die „German Taijiquan Open“, die ersten offiziellen deutschen Meisterschaften im Taijiquan, im Zentrum für Hochschulsport in Hannover statt. Zu den Organisatoren gehören neben dem Netzwerk für Taijiquan & Qigong e.V., Taiji Europa, das Chen-Stil Taijiquan Netzwerk Deutschland (CTND) sowie die Wu Wei- Schule für Tai Chi und Qi Gong. Es werden Push Hands-Wettkämpfe und Wettkämpfe in Taijiquan-Hand- und Waffenformen stattfinden. Während im Push Hands Frauen und Männer getrennt von einander antreten, gibt es bei den Form-Wettkämpfen keine Geschlechtertrennung. Teilnehmer jeden Alters sind willkommen.

Taiji_DemoAm Freitag, den 25. Mai 2012, beginnt die Veranstaltung mit der offiziellen Registrierung der Teilnehmer. Darüber hinaus werden alle, die an den Push Hands-Wettbewerben teilnehmen wollen, gewogen und dementsprechend in Gewichtsklassen eingeteilt. Am 26. Mai werden die German Taijiquan Open offiziell eröffnet. Die Veranstaltung endet am Sonntag mit einer Siegerehrung.

Die Organisatoren möchten ein Turnier ins Leben rufen, das auch weit über die Grenzen Deutschlands Anerkennung und Beachtung findet. Taijiquan-Praktizierende aus dem In- und Ausland soll die Möglichkeit gegeben werden, sich in freundschaftlicher, angenehmer Atmosphäre zu den Wettkämpfen treffen, um den Austausch in den Disziplinen zu fördern. Turniere stellen für jeden einzelnen eine große Trainingsmotivation dar und dienen der Überprüfung des eigenen Könnens. Insofern sollen die German Taijiquan Open zu einer Steigerung des Niveaus und der Professionalisierung des Taijiquan hierzulande führen. Weitere Informationen sowie eine Online-Anmeldung gibt finden Sie hier.

Taijiquan-Turniere in Europa

Während im Ursprungsland China Taijiquan-Turniere und Meisterschaften eine lange Tradition haben, gibt es im europäischen Raum erst seit ungefähr 25 Jahren Veranstaltungen, wie beispielsweise den „Taiji Dag“ in den Niederlanden oder „The TCFE European Champinonship“ in wechselnden Ländern. Besonders aktiv sind Frankreich, Holland und Großbritanien , aber auch einige osteuropäische Länder. In Deutschlang gibt es bisher nur wenige Aktivitäten in diesem Bereich. Unter anderem haben die World Chen Xiaowang Taijiquan Associaton Germany (WCTAG), Jan Leminsky, sowie die CTND bereits Turniere organisiert, jedoch fehlte es bisher an regelmäßig stattfindenden offiziellen Meisterschaften. Diese Lücke soll nun durch die German Taijiquan Open geschlossen werden.

Epi Van de Pol, Vorsitzender der Stichting Taiji Nederlands, die den „Taiji Dag“ organisiert, ist überzeugt von Taijiquan-Wettkämpfen: „Es macht Spaß! Es bringt Schulen zusammen. Du triffst Leute, die Du sonst nie sehen würdest. Du kannst die verschiedenen Niveaus und was die verschiedenen Stile trainieren, sehen. Es ist auch gut an einem Wettkampf teilzunehmen, auch wenn man keine Medaille gewinnt. Die Übungssituation bei einem Turnier ist mit kaum etwas anderem zu vergleichen. Wenn man da steht und die Schieds- und Punkterichter einen beurteilen und man vielleicht die Entscheidungen nicht versteht, musst du trotzdem Entspannt bleiben. Es ist ein guter Moment, um deine Meditation zu üben. Du übst in so einer Situation frei von deinem Ego und dem Gefühl „Ich will gewinnen“ – einfach machen, was du immer in deinem Training machst. Auch für die Lehrer ist es ein guter Moment zum Schüler zu sagen, dein Niveau reicht jetzt, um an einem Turnier teilzunehmen. Und was du als Lehrer dann merkst ist, dass deine Schüler anfangen ganz anders zu trainieren. Und das vertieft ihr Üben- es vertieft wirklich. Oft hört man, dass Wettkämpfe nicht zum Taiji gehören. Ich verneine dies. Es ist eine positive Sache!“

Taijiquan-Wettkämpfe haben eine lange Tradition

Viele berühmte Taijiquan Meister haben selbst an Turnieren teilgenommen. Beispielsweise hat Professor Cheng Man Ching seinen Schüler William C. C. Chen ermutigt, an Vollkontaktwettkämpfen in Taiwan teilzunehmen. Neben einigen von Chens Schülern führen auch seine Kinder Tiffany und Max diese Tradition mit großem Erfolg fort.

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Huang Sheng Shyan, Lehrer von u.a. Wee Kee Jin, Tony Ward und Patrick Kelly, hat es einst mit einem Ringer aufgenommen. Auch einige deutsche Taijiquan-Lehrer, wie Daniel Grolle und Jan Silberstorff, haben erfolgreich an internationalen Turnieren teilgenommen.

Zu den erfolgreichsten Europäerinnen bei Taijiquan-Wettkämpfen gehört zweifelsohne die Niederländerin Judith van Drooge, die inzwischen über 50 Medaillen sammeln konnte. Bei einem Turnier in Utrecht berichtet sie von ihren Erfahrungen: „Beim Push Hands verliere ich am Anfang meist Punkte, weil ich meinen „Gegner“ erst fühlen möchte. Oft wenden sie nur ein bis zwei Techniken an. Nachdem sie diese ein paar Mal angewandt haben, weißt du, wie damit umzugehen ist, und das ist sehr hilfreich. Meine Intention beim Push Hands im festen Stand ist, auf meinen Füßen zu stehen, verwurzelt zu bleiben. Wenn du eher daran denkst, anstatt den Anderen zu pushen, dann ist das sehr hilfreich.“

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Taijiquan-Wettkämpfe werden kontrovers diskutiert

Turniere und Wettkämpfe im Taijiquan werden besonders in Deutschland recht kontrovers diskutiert. Während es in nahezu ganz Europa seit vielen Jahren Taijiquan-Turniere gibt, sind in Deutschland nur vereinzelt Turniere organisiert worden. Viele haben Angst vor einer Versportlichung der Kunst. Dabei stell sich die Frage, ob diese Kritiker überhaupt schon einmal auf einem Taijiquan-Turnier gewesen sind. Dies wäre doch Vorraussetzung dafür, Wettkämpfe dieser Art bewerten zu können. Zu den verbreiteten Vorurteilen gehört unter anderem, dass das bei Wettkämpfen praktizierte Push Hands nichts mit den Taijiquan-Prinzipen zu tun habe, da in erster Linie grobe Muskelkraft angewandt werden würde. Fraglich ist dabei allerdings, warum ein Taijiquan-Übender nicht mit „seinem Taijiquan“ auf die „rohe Muskelkraft“ reagieren kann. Eigentlich sollte es doch ein Glücksfall sein, wenn sein Gegenüber eben nicht in der Lage ist, die Prinzipien anzuwenden. Kraft gegen Kraft bedeutet in der Tat, dass es sich nicht um Taijiquan handelt. Aber das liegt weniger an dem Wettkampf selbst, als viel mehr an den fehlenden Fertigkeiten des Teilnehmers. William C. C. Chen hat in diesem Zusammenhang gesagt, dass auf einigen Wettkämpfen nur selten Taiji-Prinzipien zu erkennen seien. Dies sei aber Teil einer Entwicklung, die ein Übender durchlaufe. Erst durch diese Erfahrung könne er aus seinen Fehlern lernen.

Natürlich sind Wettkämpfe auch dafür da, um das eigene Können zu überprüfen. Ein wesentlich wichtigerer Aspekt ist dabei jedoch die Erfahrung: Der Weg ist das Ziel. Es ist nicht wichtig, eine Medaille zu gewinnen, aber die Erfahrung zu machen, auch in einer stressigen Wettkampfsituation entspannt und verwurzelt zu bleiben, kann ein entscheidender Moment für den Übenden sein.

Befürworter, Skeptiker oder Unentschlossene – alle sind herzlich eingeladen, an den German Taijiquan Open als Wettkämpfer oder Zuschauer teilzunehmen! Auf bald in Hannover!

Fotos: Archiv Klug

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