Erfahrungsbericht zur German Taijiquan Open 2012

Von Jörg Schulenburg

Am letzten Sonnabend (26. Mai 2012) fand in Hannover die erste offizielle Deutsche Taijiquan-Meisterschaft statt, an welcher Taijiquan-Artisten aus Deutschland und aus verschiedenen europäischen Staaten (z.B. Großbritannien und Niederlande) teilgenommen haben.

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Zur Begrüßung der Besucher hatte sich Nils Klug, einer der Organisatoren dieses Höhepunkts in meinem Taijiquan-Jahreskalender, gleich am Eingang der Turnhalle positioniert. Er gab allen Besuchern das Gefühl, sehr herzlich willkommen zu sein, egal, ob sie als Zuschauer oder als Teilnehmer angereist waren. Dann ging es für mich weiter zur Anmeldung und zum Wiegen, wo schon die erste Überraschung auf mich wartete (Ich hatte schon lange nicht mehr auf der Waage gestanden). Muskeln wiegen mehr als Fett – habe ich mal gehört. 😉

Was mich erst mal ziemlich störte, war die Trennung von Besuchern und Teilnehmern auf verschiedene Ränge. Wenn mich jemand zum Turnier begleitet, möchte ich von meiner Freundin oder meinem Freund nicht nur von weitem beobachtet werden. Diese „Irritation“ wurde dann zum Glück bei der Begrüßung wieder aufgehoben, indem auch die Besucher eingeladen wurden, die Tribüne zu verlassen und zu den Teilnehmern herunter zu kommen.

JörgSchulenburgNach der  Eröffnung der Veranstaltung gab es eine Unterweisung für alle Tui-Shou-/ Push-Hands-Teilnehmer in das Turnier-Reglement. Dazu wurden eine englischsprachige und eine deutschsprachige Gruppe gebildet. Wann man sich zum Tui Shou bereit zu halten hatte, wurde auf einem kleinen Monitor angezeigt. Tui-Shou-Teilnehmer mussten also immer ein bisschen „auf dem Sprung“ sein, um ihren Auftritt nicht zu verpassen. Als das Push Hands begann, setzten bei mir leider Zahnschmerzen ein, weil ich am Abend davor eine Zahnfüllung verloren hatte. Für mich wurde das Turnier dadurch ziemlich chaotisch. Einerseits bemühte ich mich um die Behandlung des Zahnes, indem ich den zahnärztlichen Notdienst kontaktierte, andererseits wollte ich auch weiter beim Turnier dabei sein und vor allem meine Form präsentieren. Letztlich habe ich das alles geschafft und war sehr glücklich darüber. Die nötige innere Ruhe, um richtig dabei sein zu können, hat mir aber leider gefehlt.

Zum Formlaufen gliederten sich die Teilnehmer in verschiedene Gruppen, entsprechend dem Stil, welchen sie repräsentierten. Es gab z.B. Yang-Stil, Peking-Stil, Chen-Stil, Waffenformen und Mischformen. Außerdem wurde eine Einteilung nach der Taijiquan-Erfahrung der Teilnehmer vollzogen: bis 5 Jahre und über 5 Jahre.

Die Mischform-Gruppe, zu der ich gehörte, war mit 13 Teilnehmern ziemlich groß und das Niveau m.E. auch recht hoch. Dieses erste Turnier war natürlich in gewisser Weise auch ein „Probelauf“, da die Organisatoren sich sehr bemühen mussten, Taijiquan-Aktive zu motivieren, daran teilzunehmen. Aus meinem Hamburger Bekanntenkreis in der WCTAG war ich z.B. der Einzige, der sich „getraut hatte“.

Ich wünschte mir eine größere Offenheit der verschiedenen Taijiquan-Schüler und -Schulen, sich bei solch einer besonderen Festivität miteinander bekannt zu machen, und dadurch ein Gefühl für die Größe und die Zusammengehörigkeit der Taijiquan-Familie zu bekommen. Viele (innere) Grenzen sind ein Hindernis, Neues und Interessantes zu erfahren. Außerdem wünsche ich mir, dass diese Meisterschaft noch viel populärer wird und dass sie einen Anstoß für die Entwicklung der Kampf- und Bewegungskunst Taijiquan in Deutschland gibt.

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Fotos: taiji-forum.de
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