Taijiquan & Qigong Journal

Das Taijiquan & Qigong Journal, wie alles begann

Das Taijiquan & Qigong Journal (TQJ) wird dieses Jahr 15 Jahre alt. Seit 2000 berichtet die führende deutschsprachige Fachzeitschrift viermal im Jahr über diese beiden chinesischen Lebenskünste, vorwiegend wie sie in unserem Kulturkreis praktiziert werden. Neben Artikeln von FachautorInnen gibt es Interviews, Rezensionen, Berichte von Events, aktuelle Meldungen, ein umfangreiches Adressenverzeichnis und einen ausführlichen Kurskalender. Helmut Oberlack, der Herausgeber des TQJ, berichtet, wie das TQJ entstanden ist.

Wie alles begann

tqj

Frühjahr 1991, ich war ein frisch staatlich geprüfter Lehrer für Sport und Geschichte, und die Stadt Hamburg wollte mich nicht einstellen. Sport- und GeschichtslehrerInnen waren damals, zumindest nach Ansicht der dortigen Schulbehörde, nicht gefragt. Da ich gerne in Hamburg bleiben wollte, bewarb ich mich wieder zum nächsten Einstellungstermin nach den Sommerferien. Bis dahin wollte ich noch weiter Taiji unterrichten und vor allem wieder regelmäßiger mit meinen drei Taiji- und Qigong-LehrerInnen, Christel Proksch, Lena Du Hong und Sui Qingbo üben. Während des Referendariats war mir das regelmäßige morgendliche Üben abhanden gekommen. Statt zwei bis drei Stunden in den Park zu gehen, sollte ich immer in die Schule kommen … 

Einige meiner damaligen Taiji-Freunde begannen damit, Taiji- und Qigong-Unterricht zu ihrem Hauptberuf  zu machen, schließlich war der Taiji-Boom in vollem Gange und auch Qigong wurde immer populärer. Diese Möglichkeit hatte ich auch in Erwägung gezogen und dann verworfen, denn ich wollte mir die Freude am Unterrichten nicht von dann ggf. eintretenden finanziellen Zwängen nehmen lassen. Statt dessen machte ich ein Praktikum beim Norddeutschen Rundfunk als Sportreporter. Umsonst zu Sportveranstaltungen zu gehen, war schon nett.

Helmut_Oberlack_TQJ

Doch dann erfuhr ich von etwas, was mein Leben in die Bahnen lenken sollte, in die es mich bis heute hingeführt hat (das klingt ein bisschen dramatisch, gell?). Foen Tjoeng Lie, ein Chinese, den ich bis dato nur vom Namen her kannte – seine Kolibri Seminare boten schon damals Ausbildungen in Qigong und Taijiquan an -, wollte eine Zeitschrift zu Qigong, Taijiquan und anderen verwandten asiatischen Künsten gründen und suchte dafür noch Redakteure. Meine journalistische Neigung war angesprochen. Ich bewarb mich und wurde genommen. Almut Schmitz, eine Freundin von mir, die ich über das Taijiquan bei Christel Proksch kennengelernt hatte, hatte sich auch bei Tjoeng beworben und wurde ebenso genommen. Allerdings war sie frisch Mutter geworden und konnte nur nebenbei von zuhause arbeiten. 

Es war eine spannende Zeit. Niemand vom gesamten Team hatte Erfahrung mit dem Produzieren von Zeitschriften gesammelt. Frank Aichlseder, den ich dort kennenlernte, hatte wenigstens eine Ausbildung zum Verlagsfachwirt. Frank war ein Schüler von Tjoeng und praktizierte neben Taijiquan viel Wing Tsun.

Der neu gegründete Kolibri Verlag brachte ab 1991 die Zeitschrift DAO heraus, zuerst quartalsweise und später sogar zweimonatlich. Das Themenspektrum war recht breit. Neben Taijiquan und Qigong deckten wir auch die anderen „fernöstlichen Lebenskünste“ wie Yoga, Shiatsu, Kampfkünste, Buddhismus, Daoismus, TCM, Schamanismus, Hinduismus, Reiki, die Zen-Künste etc. ab. Das Themenspektrum war so breit, dass nicht in jeder Ausgabe der Zeitschrift alle Themen vertreten sein könnten. Der Kolibri Verlag begann auch mit der Produktion von Büchern als zweites Standbein, und nach einiger Zeit kamen wir auf die Idee „DAO Sonderhefte“ zu einzelnen Themen herauszugeben. Die ersten beiden waren „Taijiquan“ und „Qigong“, die sich schnell einen sehr guten Ruf erwarben und auch heute noch zu kaufen sind.

DAO_Sonderhefte

1995 entdeckten Frank und ich das aufkommende Internet. Uns war schnell klar, dass DAO auch unbedingt eine Website braucht. Allerdings sollte die nicht so „alleine“ im großen weiten Internet stehen, sondern in einem Verbund mit anderen „spirituellen“ Zeitschriften wie Connection, Zeitgeist, Tattva Viveka etc. Dazu gründeten Frank und ich eine Medienagentur, a & o medianetwork, und wir entwickelten „LinC – Lebenskunst in Cyberspace“, ein Portal für Zeitschriften, Bücher, Seminare und alle anderen, die sich im Bereich Lebenskunst tummelten.

Nach einiger Zeit hörte Frank auf, für den Kolibri Verlag zu arbeiten und stürzte sich ganz – neben dem Unterrichten von Taijiquan und Wing Tsun – auf a & o. Circa zwei Jahre später folgte ich ihm. Internet war nun unser Geschäft, neben der redaktionellen Beratung und dem Satz des neu gegründeten Reiki Magazins. Dieser Job hielt mich in Kontakt mit der Printwelt, sodass ich mich nicht vollständig in den Cyberspace begab.

Ende der 90-er wurden wir immer öfter gefragt, ob wir nicht eine Zeitschrift für Qigong und Taijiquan machen wollten. Nach einigem Überlegen entwickelten wir Anfang 2000 ein Konzept für eine reine Fachzeitschrift. Jeder Beitrag muss einen klaren Bezug zu unseren Kernthemen Qigong und Taijiquan haben. Yoga, Shiatsu, Reiki und die anderen Lebenskünste würden nur in das Heft finden können, wenn sie in einem Zusammenhang mit Qigong oder Taijiquan dargestellt werden. Die Zeitschrift würde vierteljährlich erscheinen und es würde nur Zwei-Jahres-Abos geben, um den organisatorischen Aufwand zu minimieren. Zudem sollte sie auch über „Kooperationspartner“, Qigong- und Taijiquan-Schulen, vertrieben werden.

Unser Konzept schickten wir herum und recht schnell hatten wir über 130 verbindliche Abobestellungen und über 30 Kooperationspartner, so dass wir das „Taijiquan & Qigong Journal“ starten mussten. Bewährte Kräfte wurden engagiert: Almut Schmitz für die Redaktion und Janine Warmbier, die auch für DAO und das Reiki Magazin arbeitete für das Layout und den Satz. Und im August 2000 erschien die erste Ausgabe des neuen TQJ.

Und was war mit DAO? 2001 wurde es an die Zeitschrift Esotera verkauft, die daraufhin kurze Zeit den DAO-Schriftzug im Titel führte. Zuerst verschwand der Schriftzug und dann es dauerte nicht lange, bis Esotera eingestellt wurde.

Autor: Helmut Oberlack

Fotos: TQJ, Taiji-Europa, Kolibri-Verlag