Daoismus (Taoismus)

„Nichts ist weicher als das Wasser.“ (Tao Te King, Kapitel 78)

Der Daoismus ist eine chinesische Philosophie und Religion, in deren Zentrum die Lehre vom Dao, steht. Das Wort „Daoismus“ wird als „Lehre des Weges“ oder „Lehre vom Weg“ übersetzt.

Historisch betrachtet, geht der Daoismus auf das 4.Jh.v.Chr. zurück. In dieser Zeit schrieb ein vermutlich legendärer Autor das Buch vom Sinn und Leben („Tao Te King“). Das Werk ist eine Sammlung von Spruchkapiteln und stellt die Gründungsschrift des Daoismus dar. Der vermeintliche Autor wird als „Laotse“ bezeichnet. „Laotse“ bedeutet „alter Meister“. Ob dieser tatsächlich gelebt hat, muss angezweifelt werden, da fast ausschließlich Legenden existieren, die über ihn berichten.

Der Daoismus umfasst verschiedene Theorien und Praktiken, die bereits vor dem 4.Jh.v.Chr. in China bekannt waren. Dazu gehören unter anderem: die Kosmologie, die Lehre der fünf Wandlungsphasen, das Qi-Konzept, die Erkenntnis von Yin und Yang und verschiedene Übungen zur Kultivierung des Körpers und des Geistes.

Der Weg_Dao_Tao
Der Weg- Das Tao

Das Dao

DAO
Das Dao

Bezeichnend für den Daoismus ist die Idee vom Dao, vom Weg. Das Wort „Dao“ wurde in China schon vor dem Daoismus mit philosophischen Grundgedanken in Verbindung gebracht. Doch dem Daoismus ist es zu verdanken, dass dieser Begriff eine universale Bedeutung erhalten hat. Wenn man vom Dao spricht, meint man ein von „Laotse“ beschriebenes Prinzip, dass der gesamten Welt zugrunde liegen soll. „Laotse“ sieht im Dao die höchste Wirklichkeit, das Absolute, das Unberührte und die ursprüngliche Einheit. Das Dao ist der Ursprung aller Dinge (wörtlich: „zehntausend Dinge“) und zugleich die Ordnung jener Dinge. Es vereint in sich alle (scheinbaren) Gegensätze und ist daher nicht definierbar. Man könnte es maximal als ein kontinuierliches Paradoxon kennzeichnen. Aus der philosophischen Perspektive ist das Dao ein Begriff für die Begriffslosigkeit. Es ist Sein und Nicht-Sein zugleich; eine Abstraktion für ein tiefergehendes Weltenverständnis. Jeder Versuch, das Dao zu definieren, ist zum Scheitern verurteilt, da jede Definition eine Festlegung, eine Begrenzung, wäre.

Yin und Yang

Yin und Yang sind Begriffe, die die Gegensätzlichkeit aller Dinge bezeichnen. Die untrennbare Verbindung von Gegensätzen (ohne Tag keine Nacht, ohne Trauer keine Freude, ohne Sommer kein Winter etc.) wird in ihrer gegenseitigen Abhängigkeit deutlich, die einem kontinuierlichen Wandel unterzogen ist. Das heißt: aus Tag wird Nacht, aus Trauer wird Freude aus Sommer wird Winter. Somit ist in jedem Tag bereits ein Stück Nacht enthalten und umgekehrt, da es sich um einen immer vorhandenen Prozess handelt, der niemals stoppen kann.

Die Ethik im Daoismus

Der Daoismus besagt, dass sich alle Menschen am großen Dao ausrichten sollen. Durch das Beobachten und Nicht-Eingreifen in die Welt soll man sich des Daos gewahr werden und den eigenen Platz im Kosmos einnehmen. Natürlichkeit und Spontanität sind leitende Prinzipien daoistischer Ethik. Durch eine feine Intuition kann man sich dem Lauf der Dinge anpassen und den Zustand einer heiteren Gelassenheit erlangen. Da alles im Wandel ist, geht es auch darum, sich stets den Bedingungen bestmöglich anpassen zu können. Das Nicht-Eingreifen bzw. das Nicht-Erzwingen und damit letztlich das Nicht-Handeln werden als „Wu Wei“ bezeichnet. Ein blinder Aktionismus soll durch innere Ruhe und angemessenes Tun ersetzt werden. Selbstbezogenheit ist hinderlich am Handlungsprinzip des „Geschehen-lassens“ und kann durch spezielle Übungen reduziert werden.

Die Ideen des Daoismus erhielten Einzug in viele gesellschaftliche Bereiche: Religion, Philosophie, Wirtschaft, Kunst, Ernährung, Medizin und Literatur etc. Der Daoismus ist damit ein sehr umfassender Ansatz zur Gestaltung des Lebens.

Von Christoph Eydt

Fotos: Loni Liebermann