Dehnübungen

Dynamische Dehnübungen im Qigong und Tai Chi

Qigong-Dehnübungen Dehnübungen spielen im Tai Chi und Qigong eine wichtige Rolle, weil sie die Beweglichkeit, Entspannung und Kraftgenerierung fördern. Allerdings werden die Übungen nicht wie beim Stretching ausgeführt, sondern auf eine für Tai Chi- und Qigong-Systeme spezielle Art und Weise.

Dehnübungen sind in fast jeder Sportart ein Kernelement des effektiven Trainings. Man findet sie im Fußball, im Handball, bei der Lichtathletik, in der Gymnastik und in sämtlichen Kampfsport- und Kampfkunstarten. Je nach den individuellen Zielen werden verschiedene Übungen in unterschiedlicher Intensität ausgeführt. Im Tai Chi wird den sanften und leichten Dehnübungen der Vorrang eingeräumt, weil dadurch die Prinzipien des Tai Chi besser umgesetzt werden können – nämlich das Loslassen und Entspannen.

Dehnübungen, Dehngymnastik & Stretching
Tai Chi, Qigong und Dehnübungen
Video „Dehnübungen für Qigong und Tai Chi“

Dehnübungen, Dehngymnastik & Stretching

Bei Dehnübungen wird zwischen zwei Formen unterschieden: zwischen den dynamischen Dehnübungen und den statischen. Bei der statischen Variante werden die Muskeln unter einer Zugspannung trainiert, um die Beweglichkeit und Gelenkigkeit zu optimieren. Damit einher wird auch die körperliche Kondition gesteigert. Im Sport werden diese Dehnübungen als Aufwärmung ausgeführt, weil man davon ausgeht, dass sie das Verletzungsrisiko reduzieren, da einer Ermüdung durch eine verkürzte Muskulatur vorgebeugt wird. Das statische Dehnen ist auch als Stretching bekannt. Es gibt aktives und passives Stretching sowie das Anspannungs-Entspannungs-Dehnen.

Das dynamische Dehnen ist eine weichere Form als das statische. Hierbei werden federnde Bewegungen eingesetzt, die dazu beitragen, Bewegungseinschränkungen, wie beispielsweise Verspannungen, zu lösen. Die Dehnübungen werden schwunghaft und möglichst rund ausgeführt. So werden nicht nur Blockaden gelöst sondern auch die Muskeln samt ihrer Leitungsbahnen aktiviert und die intermuskuläre Koordination gefördert. Das dynamische Dehnen unterliegt den Grenzen der natürlichen Kraft der Muskeln. In Leistungssportarten werden darum sowohl das statische als auch das dynamische Dehnen geübt.

Tai Chi, Qigong und Dehnübungen

Stretching findet im Tai Chi so gut wie keine Anwendung, weil es sich um einen „Kraftakt“ handelt. Ein Strecken der Muskeln durch forcierte Kraft und willentlichen Druck steht im Widerspruch zu den Tai Chi-Prinzipien. Das dynamische Dehnen wird dagegen sehr hoch geschätzt, weil es langsam und auf eine entspannte Weise zu einer natürlichen Gelenkigkeit und Beweglichkeit führt. Die Dehnübungen werden sowohl in den Tai Chi-Formen angewendet als auch in ergänzenden Einzelübungen praktiziert. Bei den Ergänzungsübungen wird in der Regel auf Übungen aus dem Qigong-System zurückgegriffen.

Dynamische Dehnübungen im Qigong und Tai Chi

Tai Chi und Qigong zielen nicht auf die Förderung von einigen wenigen Muskeln, sondern trainieren so viele Muskeln, wie möglich. So werden nicht nur die großen Muskeln weicher, sondern auch die vielen kleinen Muskeln, die den Körper in seinen Bewegungen und Haltungen unterstützen. Der Grundgedanke der Dehnübungen ist es, den eigenen Körper intensiver wahrzunehmen und allein durch die tiefere Achtsamkeit dem Körper gegenüber zu mehr Beweglichkeit und Kraft zu gelangen. Gemäß des asiatischen Sprichwortes „Wenn du es eilig hast, gehe einen Umweg.“ wird also nicht gezielt etwas gedehnt, sondern die Gelenkigkeit und Beweglichkeit stellen sich (über scheinbare Umwege) von selbst ein, wenn der Fokus der Aufmerksamkeit auf die eigenen Bewegungen und Haltungen gerichtet wird.

Dafür wird im Tai Chi und Qigong die Vorstellungskraft genutzt. Indem man bei einer Bewegung in seinen Körper „hineinschaut“, soll man immer besser erkennen können, was alles an einer Bewegung beteiligt ist. Wenn also zum Beispiel der rechte Arm gehoben wird und man während der Hebebewegung in den Körper spürt, dann kann man erkennen, was alles an Muskeln, Gelenken und Knochen an der Bewegung beteiligt ist. Und allein durch dieses Erkennen wächst das Bewegungspotential des Körpers. Durch den Einsatz der Vorstellungskraft wird zugleich das Gehirn angeregt, so dass die Dehnübungen besser verinnerlicht werden können. Das Ziel ist es, sich nicht nur im Rahmen des Tai Chi-Trainings zu dehnen, sondern im Alltag stets eine entspannte und bewegliche Struktur zu halten. Das bedeutet, dass die Dehnübungen Bewegungsmuster darstellen, die in den Alltag integriert werden können, um stets die eigene Beweglichkeit und Gelenkgeit zu schulen und zu nutzen.

Video „Dehnübungen für Qigong und Tai Chi“

Tina Falkner, Qigong-Lehrerin aus UK zeigt und erklärt „Dynamische Dehnübungen“. Diese Dehnübungen helfen die Gelenke zu öffnen und Spannungen im Nacken, der Schulterrgion und Wirbelsäule zu lösen. Dieses Video entstand bei dem Tai Chi- und Qigong- Austauschtreffen „Tai Chi Caldonia“ 2013. Weitere Videos mit Dehnübungen stellen wir Anfang 2014 zur Verfügung.

Autor: Christoph Eydt

Fotos: taiji-forum.de