Rezension: Innere Kampfkünste – Ein Special des Taijiquan & Qigong Journals

Das Sonderheft beinhaltet eine Reihe von Texten über die Bedeutung innerer Kampfkünste und stellt verschiedene Stilrichtungen vor, die mehr oder weniger als innere Kampfkünste bekannt sind.

1. Zusammenfassung und Inhalt

Im Special des Taijiquan & Qigong Journals werden traditionelle und neu entwickelte Systeme vorgestellt, die als innere Kampfkünste bezeichnet werden können. Der Schwerpunkt liegt auf dem Taijiquan, weil dieser Stil im Westen die größte Verbreitung gefunden hat. Weiterhin werden philosophische Perspektiven und Grundsatzdiskussionen, wie zum Beispiel die Frage, was das Innere an den inneren Kampfkünsten sei, eröffnet.

Das vierte Sonderheft stellt folgende Inhalte bereit:

Editorial

Kooperationspartner des Taijiquan & Qigong Journals

Yürgen Oster: Das Innere der inneren Kampfkünste.

Sabine Mayerhofer: Von außen nach innen – vom Groben zum Feinen: Gedanken zur Selbstverteidigung.

Traditionelle Stilrichtungen

Helmut Oberlack: Taijiquan Kämpfen mit Yin und Yang.

Ulf Angerer: Zur Bedeutung der Anwendbarkeit im Taijiquan.

Klemens J. P. Speer: Taijiquan als persönlicher Entwicklungsweg.

Jan Silberstorff: Der beste Kampf ist kein Kampf. Von der praktischen Bedeutung des Taijiquan als innerer Kampfkunst.

Chen Jumin: Baguazhang.

Bernhard Urbach »Die Energien des Lebens wirken in Kreisen« Baguazhang Qigong.

Frank Allen:  Xingyiquan Kämpfen nach den fünf Elementen.

Andrzej Kalisz: Yiquan »Absichts-Boxen«.

Volker Jung: Lanshou.

Angela Menzel: Tongbeiquan.

Su Huaxiang: Liuhe Bafa.

Hubert Schneider: Taijiquan, Fengshou, Chi Shu. Die inneren Kampfkünste des Li-Stils.

Neue Entwicklungen

Klaus-Heinrich Peters:  Cheng Hsin T‘ui Shou. Die Prinzipien müheloser Stärke und effektiver Interaktion.

Frank Bauche: I Liq Chuan. Die Kunst der klebenden Hände.

Bernhard Haarmeyer: TaijiDao.

Ömer Humbaraci: Shayuquan, die »Hai Faust«. Eine moderne Schule der »inneren Kampfkunst«.

Leben heißt Lernen

Hubert Schneider:  Zwischen Zweikampf und Meditation. Innere Kampfkünste für Kinder.

Thomas Apfel: Lernen in der Tradition der chinesischen Meister. Die Bedeutung der Lehrer-Schüler-Beziehung.

Paul Shoju Schwerdt: Das Außen bedingt das Innen. Eine etwas lästerliche Gegenüberstellung zweier Dinge, die letztendlich doch eins sind.

2. Einordnung

Das Taijiquan & Qigong Journal ist eine Fachzeitschrift, in der regelmäßig Artikel über die chinesischen Bewegungskünste Taijiquan und Qigong veröffentlicht werden. Sie erscheint viermal pro Jahr und umfasst neben Fachbeiträgen auch zahlreiche Hinweise auf Veranstaltungen innerhalb der Taijiquan & Qigong-Szene. Das Journal ist als Abo erhältlich. Ein einfaches Abo kostet 65,60 Euro und dauert zwei Jahre. Der Herausgeber der Zeitschrift ist Helmut Oberlack, der selbst Taijiquan unterrichtet und bereits mehrere Bücher über diese chinesische Bewegungskunst veröffentlicht hat.

Das Spezialheft richtet sich natürlich an all jene, die ein besonderes Interesse am Taijiquan haben. Im Besonderen ist diese Zeitschrift an Menschen gerichtet, die mehr über Taiji als Kampfkunst erfahren möchten. Da neben dem Taiji auch andere innere Kampfkünste vorgestellt werden, ist diese Zeitschrift für alle interessant, die mehr über das Wesen der inneren Kampfkünste erfahren möchten. Da auch eher seltenere Stilformen vorgestellt werden, erhält der Leser einen breitgefächerten Überblick über die Vielfalt innerer Kampfkünste.

Auch wenn das Augenmerk auf der Darstellung einzelner Stilrichtungen und deren Trainingsinhalten liegt, so wird trotzdem – oder gerade deswegen – der Versuch unternommen, den Begriff der inneren Kampfkünste zu bestimmen. Zu Recht steht am Beginn des Heftes die Frage, was eigentlich „das Innere“ an den inneren Kampfkünsten sei. Yürgen Oster leitet unter dem Aspekt der sprachlichen Barrieren, die zwischen verschiedenen Kulturräumen liegen, ein, dass der Begriff „innere Kampfkunst“ verschiedene Interpretationen zulässt. Seine Sicht auf die Gegenseitigkeit von Innen und Außen ist die Grundlage für ein Verständnis der inneren Kampfkünste, welches die inneren Stile nicht als exklusive Formen ansieht, die „höher“ wären als die sogenannten äußeren Stile, sondern welches die Vereinbarkeit und gegenseitige Notwendigkeit von äußeren und inneren Elementen berücksichtigt.

Spannend sind vor allem die Darstellungen der neuen Stile, die sich auf die Tradition innerer Kampfkünste beziehen. Gerade weil Kampfkünsten etwas Nostalgisches anhaftet, ist es gut zu sehen, dass trotz eines gewissen Traditionsbewusstseins neue Einflüsse erkennbar sind und sich neue Entwicklungen etablieren können.

Das I Liq Chuan ist eine solche neuere Entwicklung, die direkt an die alten Traditionen der klassischen inneren Stile anschließt, aber andere Akzentuierungen setzt. Im I Liq Chuan steht die geistige Arbeit im Vordergrund. Es geht darum, über den Geist körperliche Kraft zu entwickeln. Damit einher wird das Bewusstsein geschult, so dass man stets der Situation angemessen handeln kann. Der wichtigste Trainingsinhalt im I Liq Chuan sind die Kreisenden Hände, die Klebenden Hände, Qinna und Sanshou. Der Stil ist sehr pragmatisch ausgerichtet und verzichtet auf unnötige Schnörkel.

3. Bewertung

Die Sonderausgabe des Taijiquan & Qigong Journals hält eine Fülle an Informationen zu einem Thema bereit, zu dem es bisher nur wenig gute deutsche Literatur gibt. Die Inhalte sind sachlich aufgearbeitet, was einen hohen Wissenswert garantiert. Es geht nicht darum, in den einzelnen Artikeln für irgendeinen Stil zu werben, sondern um die nüchterne Darstellung bekannter und unbekannter innerer Kampfkunststile. Man kann diese Zeitschrift getrost als ein Mini-Lexikon für innere Kampfkünste bezeichnen. Das macht es aus meiner Sicht so wertvoll. Man erfährt Hintergründe zu den Stilen (Geschichte, Trainingsinhalte, Prinzipien und Konzepte) und erhält zugleich die Möglichkeit, Vertreter der vorgestellten Stile zu kontaktieren.

Was mir negativ aufgefallen ist, aber nicht weiter stört, sind die Schwarz-Weiß-Fotos. Das ist zwar nur ein ästhetischer Aspekt, spielt aber meiner Meinung nach eine große Rolle, denn farbige Bilder vermitteln ganz andere Gefühle. Aber wie gesagt: Der Inhalt und die Aufbereitung des Inhalts werden dadurch keineswegs beeinträchtigt.

Die Gliederung der einzelnen Inhalte ist logisch nachvollziehbar. Der Schwerpunkt liegt auf der inneren Kampfkunst Taijiquan, weil dieser Stil am stärksten verbreitet ist. Die Unterteilung in traditionelle Stile und neue Entwicklungen halte ich für sinnvoll und notwendig, damit gezeigt werden kann, welche Entwicklungen innerhalb der Kampfkunst-Szene vor sich gehen. Dass nicht nur die inneren Stile vorgestellt werden, sondern der Bogen auch zu philosophischen Themen geschlagen wird, ist sehr gut, weil während des Lesens auch Fragen aufkommen können, die dann im entsprechenden Artikel beantwortet werden können.

Branchenbuch, Glossar und Literaturtipps runden die Zeitschrift ab und ermöglichen bei Interesse die Suche nach weiteren Informationen oder direkten Kontakten zu Lehrern.

Rezensent: Christoph Eydt

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