Ein Gedicht für Wang Ning

CHINESISCHE ZEICHENWELT
Für Wang Ning

Ein Gedicht für Wang Ning

Vieles, was uns
verzaubert
kommt von weit her
nicht bewacht
von einer Eskorte
aus Fleisch und Blut
sondern aus
Erde und Wasser.

Es soll Rätsel geben
die ungelöst bleiben
weil ihre Erzähler
zu klug waren
um die Schlüssel
aufzuheben.

Der Wert der Tinte
misst sich nicht
allein am Ausdruck
der Hand und
der Dichte
der Beschreibungen
sondern auch
an dem Papier
auf welches
sie getragen wird.

Vielleicht ist es
in den Sternen
zu lesen
aus welcher Richtung
sie strahlen
doch am Ende
war es Sache der Seeleute
die kein Land mehr sahen.

Die Scherben
die gebrannt wurden
um damit
den Dingen auf den
Grund zu kommen
sind aus ein
und demselben Boden.

Wenn alles aus
der Asche erwächst
besteht die Möglichkeit
dass alles in alle
Winde verstreut wird.
Die Welt ist klein
und wenn es sein muss
passt sie in eine hohle Hand.

Je schneller die Bilder
wechseln
umso behutsamer
werden Zeichen.

Es soll vorkommen
dass der Besitzer
der Wasserstelle
leer ausgeht.

Es soll zu einer Einigung
kommen und
der Quergeist
ist mit seinen
weitausholenden Bewegungen
der ruhende Pol.

Ein anderer versucht
mit verschränkten Armen
die Wege der Drachen
zu lenken
die ständig auf der Suche
sind nach dem
großen Feuerschlucker.

Der Hüter der Quelle
streut Salz
in die Steinwunden.
Die Rinnsale sind unbelehrbar
sie wollen die
Behutsamkeit steigern
bis zur Ekstase.

von Michael Kirmes-Seitz

Ausstellung „Kalligraphien von Wang Ning“