Zhen Wu

Die Geschichte des wahren Kriegers – Zhen Wu

zhen-wuZhen Wu Da Di (真武大帝-der große, wahre Krieger Kaiser) wird auch Xuan Wu (玄武– Dunkler Krieger) und Geheimnisvoller Kaiser des nördlichen Himmels (玄天上帝 Xuantian Shang Di) genannt. Das Buch des Obersten Ehrwürdige der göttlichen Inkarnation erzählt die Geschichte der großen Sage um den Wahren Krieger des geheimnisvollen nördlichen Himmels (太上说玄天大圣真武本传神咒妙经 Taishang Shuo Xuantian Dasheng Zhenwu Benzhuan Shenzhou Miaojing), nach dessen Angaben Zhen Wu der 82. Avatar des ehrwürdige obersten Herrschers Tai Shang Lao Jun (太上老君) war. Als Sohn des Königs von Jing Le (净乐), wurde er im himmlischen Palast der Nicht-Begierde geboren. Die Königin hat geträumt, dass sie die Sonne verschluckt hatte und war nach dem Erwachen plötzlich schwanger. Nach 14 Monaten Schwangerschaft gebar Sie ein prächtiges Baby. Der Prinz war ein außergewöhnlich kluges Kind und er lernte früh verschiedene daoistische Praktiken. Er wuchs ohne jeglichen materiellen Mangel auf. Als Jugendlicher hatte er eine Vision, in dem Tai Shang Lao Jun ihm das Elend der Welt zeigte und ihm riet, nach Wudang Shan zu gehen (damals noch Tai He Shan太和山, um dort das Dao zu kultivieren. Er verließ seine Heimat und sein Elternhaus, und machte sich auf den Weg zum Berg Wudang. Tai Shang Lao Jun beauftragte einen Unsterblichen von Wudang ein Auge auf den Prinzen zu werfen, und ihn vor Gefahren zu beschützen. Unterwegs hatte Zhen Wu mehrere Begegnungen Zunächst schenkte er einem Mann sein Pferd, als er sah, dass dessen Mutter sehr krank war und dringend zu einem Arzt musste. Danach half er einem alten Mann, der einem streit suchenden Raufbold eine hohe Summe Geld schuldete und dieser dessen kleine Enkelin stattdessen mitnehmen wollte, um sie zu verkaufen. Der Prinz kannte den Wert des Geldes nicht und so gab er dem Raufbold was er von Zuhause mitgenommen hatte und dasswar mehr als genug, um dem alten Mann seine Schulden zu erlassen. Nun hatte er nichts mehr, ausser das was er am Leibe trug. Er wanderte weiter bis er das Gebiet des Wudang Shan erreichte. Während dessen hatte seine Mutter sich mit nur wenig Gefolge auf den Weg gemacht, um ihn zurück zu holen. Als sie ihn fast erreichte, schaffte er es gerade noch so auf schwierigem Gelände und gewundenen Wegen zu entkommen. Sie rief ihm nach und das Echo war weit zu hören. Heute werden deshalb diese Wege in Wudang „die 18 gewundenen Pfade der Rufe der Mutter“ genannt. Als sie merkte das er nicht zurück kommt, weinte sie unaufhörlich, und es entstand ein kleiner Brunnen, welcher heute „Brunnen der Tränen der Mutter“ genannt wird. Unbeirrt wanderte Zhen Wu weiter. Auf einem Pfad begegnete er einem meditierenden alten Daoisten, welcher ihn nach einigen prüfenden Fragen als Schüler akzeptierte und in verschiedenen Praktiken unterwies. Sein Meister war Yuan Shi Tian Zun 元始天尊. Zhen Wu übte voller Eifer und trainierte hart Tag ein Tag aus, und suchte sich oft abgelegene Plätze, um in Ruhe zu meditieren. Nach einiger Zeit, hatte er jedoch das Gefühl, das er in seiner Praxis keine Fortschritte macht und er bekam Heimweh. Dann fasste er den Endschluss Wudang zu verlassen und nach Hause zurück zu kehren.

Der Abstiegt vom Berg und die Begegnung mit der Nadelschleiferin

Beim Abstieg begegnete er einer alten Frau, die eine dicke Eisenstange auf einem Stein wetzte. Zhen Wu fragte was sie da tue, da antwortete ihm die alte Frau: „Ich schleife diese Eisenstange zu einer Nadel. Meine Tochter soll bald heiraten und ich will ihr ein schönes Hochzeitskleid nähen. Dafür brauche ich eine gute Nadel“. Zhen Wu sagte: „Eine Nadel kostet doch sicher nicht viel, warum macht ihr euch soviel Arbeit mit dieser Eisenstange, es wird ewig dauern bis ihr eine Nadel daraus gemacht habt“. Die Frau antwortete: „Es mag vielleicht mehrere Jahre dauern, aber wenn ich beständig schleife und schleife, dann bekomme ich sicher eine besonders gute Nadel“. Als er diese Worte hörte, traf es ihn wie ein Blitz. Er bedankte sich bei der alten Frau und machte sich auf den Weg zurück auf den Berg, denn er verstand nun das er beständig üben muss, um eines Tages sein Selbst zu überwinden und unsterblich zu werden. Es war Tai Shang Lao Jun der Zhen Wu in der Gestalt der alten Frau der Zhen Wu wieder auf den rechten Pfad brachte.

Viele Jahre der Praxis und die Begegnung mit Guan Yin

Nach vielen Jahren der Kultivierung hatte er einen engen Bezug zu seiner Umwelt bekommen. Verschiedene Tiere begleiteten ihn auf seinen Touren durch die Natur. Wenn er sich für Tage in Stille setzte, wachten Tiger, Bären und Wölfe über ihn; Wenn er Hunger hatte, brachten Affen, Eichhörnchen, Rehe und andere Tiere ihm Früchte, Nüsse und Gemüse. Wenn er Durst hatte, dann schlürft er den Nebel und trinkt den Tau.
Schildkröte und SchlangeZhen Wu war mittlerweile ein außergewöhnlicher Kämpfer geworden und beherrschte eine besondere Schwerttechnik. Als sich eines Tages eine Armee nährte, welche ihn auf Befehl seiner Mutter zurück holen sollte, nahm er sein Schwert und spaltete mit einem Schlag einen Berg und eine tiefe Schlucht entstand zwischen ihm und der Armee. Die Soldaten waren machtlos und kehrten ohne den Prinzen zurück. Zhen Wu ging zurück in die Einsamkeit und fuhr mit seiner Praxis fort.
Oft ass er wochen-, ja sogar monatelang nichts, schlief nicht und regte sich kein Stück. In tiefer Meditation verharrend, akzeptierte er sogar das sich Vögel auf seinem Kopf aus seinen zerzausten Haaren ein Nest bauten. Er wollte sich endgültig von der Nahrung und somit von den Gewohnheiten trennen. Eines Tages traf er an einem Fluss auf eine schwangere Frau, die im Begriff war zu gebären. Die Frau war Guan Yin, welche sich als Schwangere ausgab. Zhen Wu half ihr und als sie das Kind zur Welt gebracht hatte säuberte er alles vom Blut und der Nachgeburt im Fluss. Plötzlich erschienen vier Zeichen im Wasser: 玄天上帝 Xuan Tian Shang Di. Er erkannte das er sich von seinen vergangenen Taten befreien und reinigen muss und schnitt sich den Magen und Darm aus dem Leib, um sie ebenfalls zu reinigen und sich somit von vergangenen Lastern zu befreien. Das Wasser des Flusses wurde ganz schwarz und kurz darauf wieder ganz klar und rein. Als er dies tat war Guan Yin so berührt davon, das er ihn sofort heilte.
Seine Gedärme nahmen die Erdenergie auf und wurden zu einer riesigen Schlange und Schildkröte, welche versuchten Unheil zu verursachen. Zhen Wu zähmte sie und von nun an folgten sie ihm überall hin. Er konnte sogar auf ihnen Reisen und sie hörten auf seinen Befehl. In Menschengestalt kümmerten sie sich als General Wan Gong und Wan Ma um die Bedürfnisse der Menschen die um den Wudang Shan lebten.

Zhen Wu zähmte den Berg und brachte Frieden ins Land

Bevor sich Zhen Wu in Wudang niederließ, war das Gebiet sehr verwildert und Gefährlich. Er wird dem Element Feuer zugeordnet und Zhen Wu dem Wasser. Laut daoistischer Lehre : Ist das Wasser unten und Feuer oben, so ist Chaos und Unordnung; ist Feuer unten und Wasser oben, erhitzt Feuer das Wasser und Dampf steigt auf. Im übertragenen Sinne heisst das, der belebende Geist kann aufsteigen.

Der himmlische Aufstieg und die fünf Drachen

Zhen Wu praktizierte für 42 Jahre auf dem Wudang Shan, als eines Tages ein junges Mädchen zu ihm kam und ihm schöne Augen machte. Er lies sich nicht beeinflussen und war trotzdem höflich zu ihr. Sie bot sich an ihn zu heiraten und schmiss sich ihm an den Hals, da stieß er sie zurück und sagte, dass er sie niemals heiraten kann, da er das Dao kultiviert und dafür keine Zeit habe. Sie brach in tränen aus und rief, dass sie nicht zurück nach Hause kann, und wenn er sie nicht nimmt, dann würde sie keinen Sinn mehr haben zu leben. Als sie das sagte, sprang sie von einer Klippe. Zhen Wu erkannte die Folge seiner Tat und selbstlos sprang er hinterher, um sie zu retten. Das Mädchen war niemand anderes als sein Meister, der ihn zum aller letzten Mal prüfte. Sie verwandelte sich und zusammen mit fünf Drachen stieg Zhen Wu zum Himmel hinauf und wurde unsterblich. Ihm wurde der Titel „Xuan Tian Shang Di“ verliehen und der Jade-Kaiser (玉帝Yudi) befahl ihm über den Norden zu wachen.

Die fünf Drachen

Die fünf Drachen waren die fünf menschlichen Anhaftungen, denen sich Zhen Wu im Laufe seiner Kultivierung entledigte. Die fünf Drachen stehen auch für die fünf Wandlungsphasen der menschlichen Charaktereigenschaften und Bedürfnisse. Diese sind Unbeständigkeit (Holz), das Ego (Feuer), gesellschaftlichen Bindungen (Erde), Gewohnheiten (Metall) und Bedürfnisse (Wasser). Zhen Wu überwand sein Selbst und schaffte es die Anhaftungen gegenseitig aufzulösen. Wie bei den Zyklen der Wu Xing (Fünf Wandlungsphasen) in der chinesischen Medizin, können die Eigenschaften eines Menschen genährt und kontrolliert werden. Zhen Wu verließ sein Elternhaus und löste sich von den Pflichten und Vorzügen eines Prinzen. Er gab alles auf, bis er nur noch das hatte, was er am Leibe trug. Er nahm jede Schmach auf sich und überwand sein Ego und übte Tag ein Tag aus und überwand somit seine Unbeständigkeit. Dann wiederum wollte er nach Hause zurückkehren, jedoch überwand er diesen Wunsch als er die Nadelschleiferin traf und umkehrte, um weiter zu kultivieren. Er hat unbeständig gehandelt und seine Gewohnheiten und seine gesellschaftlichen Bedürfnisse mit ein bisschen Hilfe überwunden. Er hörte auf zu Essen und Schlief nicht mehr und somit löste er sich von den natürlichen Bedürfnissen. Als ihn das Mädchen umschwärmte, hatte er keinerlei Bedürfnisse mehr, aber sein Ego war stark und so stieß er sie weg, und als sie stürzte überwand er vollkommen sein Ego und sprang ihr nach.
Eine Legende besagt, das sich Zhen Wu einmal das Schwert von Lü Dong Bin, einem der acht Unsterblichen auslieh, um gegen einen Dämon zu kämpfen. Nachdem er den Dämon mit dem magischen Schwert besiegt hatte, wollte er dieses nicht zurück geben. Da das Schwert von selbst zu seinem rechtmäßigen Besitzer zurück fliegen würde, musste Zhen Wu es ständig festhalten.

Das Kaiserhaus und Zhen Wu

Einmal wurde der Name Xuan Wu ( Dunkler Krieger) auf den Namen Zhen Wu (真 武 wahrer Krieger ) geändert, um zu vermeiden, dass das Zeichen Xuan (geheimnisvoll, dunkel) , welches im Namen Zhao Xuan Lang (eines königlichen Vorfahren) enthalten war, ausserhalb der königlichen Familie erschien. Seither sind beide Bezeichnung Xuan Wu (dunkler Krieger) und Zhen Wu (wahrer Krieger) weitestgehend bekannt.

 
Kaiser Zhu Di

 
Im zehnten Jahr der Yong Le Era, wollte Zhu Di, der Prinz von Yan, seinen Neffen ausbooten, und selbst Kaiser werden. Seine Hauptstadt war Bei Ping (heutiges Beijing), im Norden des Landes und somit bot es sich an, eine Kampagne zu starten, mit der Unterstützung des Gott des Nordens. Xuan Wu Da Di. Zhu Di beauftragte Marquis Zhang Xin damit, einen Komplex von Tempeln auf dem Berg Wudang zu errichten. 200.000 Soldaten halfen bei diesem Projekt und förderten die Verehrung des Großen Wahren Kriegers auf den höchsten Gipfel

 

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北斗 Bei Dou – Nord Konstellation und das Sternbild – Xuan Wu

 

„Dunkeler Krieger“ ist die allgemeine Bezeichnung der sieben nördlichen Sternbilder. Es korrespondiert mit der Xu Wei Konstellation und sieht aus wie eine Kombination aus einer Schildkröte und einer Schlange. Der Daoismus sagt, dass die südlichen Sternbilder das Leben beeinflussen und die nördlichen den Tod. Es wird großen Wert auf die Verehrung der Sternbilder gelegt. Das Schicksal eines Menschen wird in der Gebärmutter von der südlichen auf die nördliche Stern-Konstellation übertragen. Daher muss der, welcher für Langlebigkeit betet, den Großen Wahren Krieger anbeten.

Essenz des Wassers

Das Unsterblichen-Schutz-Mantra „You Sheng Zhou“ ( 佑圣咒) ruft den Wahren Krieger der „Essenz des Wassers“, welcher die Transformation von höchstem Yin ist. Allgegenwärtig in alle Richtungen, erschreckt seine Macht alle Geister. Wegen der Zugehörigkeit zu Wasser, waltet der Wahre Krieger über die Flüsse und Feuer, und verhindert relevante Katastrophen. Aus diesem Grund wurden in den Palästen der Ming-Dynastie viele Tempel zur Ehrerbietung des Gotts Zhen Wu erbaut.

Der 3. Tag des 3. Monats nach dem Mondkalender ist der göttliche Geburtstag der Wahren Kriegers. An diesem Tag finden allerorts Festivitäten und Opfergaben statt.

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Author: Liu De Ming, Leiter des Wudang Daoist Institute in Deutschland

Fotos: Liu De Ming