Taijiquan Klassiker

Klassische Schriften des Taijiquan


Hier finden Sie eine deutsche Übersetzung der Taijiquan Klassiker. Dr. Tao Ping Siang hatte die Taijiquan Klassiker für seine westlichen Schüler in die Englische Sprache übersetzt. Das erste Buch mit den chinesischen Orginaltexten erschien 1966 in Taiwan.

Ich hatte die große Ehre für meinen zweiten Lehrer das Buch auch auf Deutsch zu veröffentlichen. Mit Hilfe von Detlef Klossow (Übersetzung Englisch – Deutsch) wurde das Buch „Unter der Oberfläche der Klassiker des Tai Ji Quan“ 2000 veröffentlicht. Dr. Tao ist im Dezember 2006 in Columbus, Ohio verstorben. Der Erbe von Dr. Tao, Dr. Shan-Tung Hsu hat mir großzügiger Weise die Erlaubnis zu Veröffentlichung der deutschen- und englischen Texte auf Taiji Forum gegeben. Shan-Tung Hsu sagte: „Gerne stimme ich der Veröffentlichung zu. So können Taijiquan Liebhaber auch in Zukunft aus Dr. Taos Arbeit einen Nutzen ziehen.“ (nk)

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Vorwort zu Dr. Tao Ping Siang

Vorwort von Dr. Tao Ping Siang

Anmerkung zur deutschen Übersetzung

Unter der Oberfläche der Klassiker des Tai Ji Quan
von Ping-Siang Tao

Surfftipps zum Thema „Taijiquan Klassiker“

Ein Vorbild an Beharrlichkeit in der Kunst: Dr. Tao „Eine einfache Analyse der klassischen Schriften und Theorien des Taijiquan“

Ein Vorwort von Chou Teh-Pei
Dr. Tao war ursprünglich ein Experte der Luftfahrttechnologie, aber er hat sich vollkommen dem Studium und der Entwicklung von Taijiquan, auch bekannt als Schattenboxen, gewidmet. Diese einzigartige chinesische Kampfkunst beruht auf dem Grundsatz: Härte durch Weichheit zu überwinden. Ich bin stolz auf die ungewöhnliche Gelegenheit, das Vorwort zu dem Buch von Dr. Tao schreiben zu können. Dieses Buch fasst zusammen, was er über diese Kunst gelernt hat und ist sein Beitrag für diejenigen, die daran interessiert sind diese zu lernen.

Tao Ping Siang

Dr. Tao und ich stammen aus derselben Provinz und wir haben beide als wir jung waren in der chinesischen Luftwaffe gedient. Ich war in der Lage Taijiquan von Meister Cheng Man-Ching zu lernen, weil ich bei dem Grundkurs von Dr. Tao angeleitet wurde. Auch wenn meine eigenen Kenntnisse des Taijiquan gering sind und ich mir nicht anmaßen will genug zu wissen, um dieses Buch beurteilen zu können, kann ich es dennoch nicht ablehnen , dieses Vorwort zu schreiben. Folglich werde ich anstatt von Taijiquan zu erzählen, davon berichten wie Dr. Tao seine Fähigkeiten entwickelt hat, zumal ich hierüber aufgrund unserer langen Freundschaft etwas sagen kann .
Dr. Tao hat verschiedene Richtungen der chinesische Kampfkünste studiert. Seit seiner Kindheit hat er Spring Leg studiert, eine Richtung die zum Shaolin Stil gehört. Nach den Studien bei zahlreichen Lehrern verschiedener Schulen hat er sich schrittweise den Nei Chia [Neijia], inneren Systemen zugewandt. Er lernte Hsing-I [ Xin g Yi ], Pa-Kua Chang [Ba Gua Zhang] und auch Liu-ho Pa-fa [Liu He Ba Fa] (auch bekannt als Wasser-Stil) und Taijiquan. Alle, die ihn unterrichtet haben, waren berühmte Meister.
Obwohl er vielleicht ganz zu Beginn seiner Studien noch kein hohes Niveau erreicht hatte, wurde er von allem was er gehört und gesehen hatte beeinflusst. Diese Dinge waren sehr hilfreich, als er später die Erkenntnisse, die er durch das Verständnis von den Beziehungen zwischen den verschiedenen Disziplinen gewonnen hatte, in seine Studien einbeziehen konnte. Da er bescheiden und kein Selbstdarsteller ist, kennt die breite Öffentlichkeit Dr. Tao nicht. Sein gegenwärtiges Können ist das Ergebnis aus dem Ansammeln von Erfahrungen im Laufe der langen Studien und Übungen, so wie seiner Freude diese Erfahrungen mit anderen auszutauschen, die denselben Grundsätzen verpflichtet sind und an das Thema mit denselben Vorsätzen herantreten. Auch jetzt noch sucht er Rat und nimmt neue Erkenntnisse auf.
Mr. Tao verfügt über eine ausschließliche Leidenschaft. Er übertrifft andere bei weitem in seiner Hingabe zum Studium dieser Kunst. Sein Studium des Taijiquan von Meister Cheng Man-Ching nach seiner Ankunft in Taiwan im Jahr 1949 geht zurück in die Zeit, als er kurz nach dem Ende des Krieges mit Japan im Jahr 1945 zu seiner Familie heimkehrte. Zu dieser Zeit hat ihn sein Taiji Lehrer in die Kunst des Meister Cheng eingeführt, aber weil er in Shanghei lebte und Master Cheng nicht, hat er keinen Kontakt zu ihm aufnehmen können und daher hatte er erst vier Jahre später das Glück, bei Meister Cheng persönlich zu studieren. Als er erfuhr, dass Meister Cheng auch nach Taiwan gekommen war, hat er eine Reise unternommen, um den Meister in Taipei zu besuchen. Nachdem er von Meister Cheng als Schüler aufgenommen wurde, hat er alles aufgegeben, was er zuvor gelernt hatte und hat mit dem Lernen neu angefangen. Als Soldat musste er im Lager leben und es war ihm unmöglich, seinen Meister jeden Tag zu besuchen. Stattdessen hat er seine gesamte freie Zeit zusammengelegt, um jeden Monat von Tainan nach Taipei zu eilen (vom Süden in den Norden von Taiwan). Das ging vier oder fünf Jahre so. Später als er auf einen Posten in der Nähe von Taipei versetzt wurde, lebte er lange Zeit in Meister Chengs Haus. Zusätzlich zu seinem konzentrierten Antrieb zu lernen, liebt Dr. Tao die tiefe Besinnung. Immer wenn er von seinem Meister eine Lektion erhielt, dachte er Tag und Nacht darüber nach und bemühte sich, diese vollständig zu verstehen. Dies ist wahrhaftig die Einstellung, die im Tao Te King (Kapitel XX, Zeile 20) beschrieben wird als nicht aufgeben, solange es noch etwas gibt über das man noch nicht nachgedacht hat oder was man beim nachdenken noch nicht verstanden hat.
Taijiquan ist eine Art des Boxens, die auf der Entwicklung des eigenen Charakters gründen muss, so dass schließlich Härte mit Weichheit überwunden werden kann. Das was man bereits gelernt hat aufzugeben, um einem anderen Lehrer zu folgen, verlangt eine Bescheidenheit, die ebenfalls auf einer Entwicklung des eigenen Charakters fußt. Meister Chengs Buch über Taijiquan empfiehlt den Schülern Eigensinn, Beharrlichkeit und Sturheit zu vermeiden und Selbstbestätigung aufzugeben, insgesamt wird diese Methode als „in den Verlust investieren“ beschrieben. Genau diese Aufgaben werden zur Schulung des Charakters benötigt. Dr. Taos charakterliche Entwicklung steht in enger Verbindung zu seinem Können in Taijiquan. Er ist bescheiden, geduldig und lehnt es ab anzugeben. Reichtum und Ruhm sind ihm gleichgültig und er ist stets glücklich und entspannt, sowohl geistig als auch körperlich. Infolgedessen ist es für ihn einfacher, die Kunst, das Harte dem Weiche zu unterwerfen, vollständig zu verwirklichen. Es ist leicht über diese Art der Entwicklung zu sprechen, aber sie kann nur erreicht werden durch ständige und hingebungsvolle Übung.
Ich bin sehr froh darüber, dass Dr. Tao der Öffentlichkeit das weitergibt, was er über so viele Jahre gelernt hat. Obwohl es seine Absicht ist, lediglich die Worte seiner Vorgänger weiter zu reichen, ohne eigene Ideen hinzuzufügen, ist es unweigerlich so, dass die Übersetzung vom Chinesischen ins Englische – der Unterschied im kulturellen Zusammenhang – es erforderlich macht, einige Deutung mitzuliefern. Sein tiefes Verständnis von dieser Kunst macht diese Deutungen für den Schüler sehr nützlich. Zum Beispiel ist sein Verständnis von „Chi“ überzeugend und wertvoll. Kurz gesagt ist dieses Buch ein sehr lohnendes Nachschlagewerk für jeden dem diese Schule des Boxens am Herzen liegt.

Vorwort von Dr. Tao Ping Siang

Tao Ping SiangIch lerne die Kunst des Taijiquan (auch Schattenboxen genannt) seit sechzig Jahren und ich unterrichte diese Kunst seit vierzig Jahren. Aus Achtung vor dieser Kunst des Boxens mit ihrer außergewöhnlich anspruchsvollen Theorie geht es mir beim Unterrichten immer so, dass es mir schwer fällt zu wissen, wo ich anfangen soll.
Das Studium der Kunst des Taijiquan sollte auf den Klassikern des Taijiquan und den Abhandlungen gründen. Die Grundsätze der Übung und des Erfolges sind bereits vollständig in den Klassikern und den Abhandlungen enthalten, die jeweils seit Generationen weitergegeben werden. Dennoch sind diese Arbeiten unabhängig voneinander und ohne intensives Nachlesen, Querverweisungen und Recherchen schwer zu verstehen. Um denjenigen das Verständnis zu erleichtern, die diese Kunstform studieren möchten, habe ich mir trotz der Begrenzungen meines eigenen Verständnisses die Freiheit genommen, die Klassiker und die Abhandlungen durch Synthese, Klassifizierung und Anordnung der wichtigsten Schriften als Produkt einer genauen Analyse vorzustellen.
Die Klassiker und Abhandlungen, die in diesem Buch Verwendung finden, stammen aus den zur Zeit gängigen und verfügbaren Texten des Yang Stils, sie bestehen aus Folgenden:

  • Chang San Fengs Abhandlung über Taijiquan
  • Die Abhandlung über Taijiquan von Wang Tsung Yueh der Ming Dynastie
  • Die geheime Erklärung der Übung der 13 Stellungen
  • Das Lied über das Schlagen mit der Hand

DrTao_PushHandsDie Theorie die man benötigt, um Taijiquan auszuüben ist nicht kompliziert, aber es ist schwierig in das Reich vorzudringen, das die Theorie beschreibt. Um dies zu erreichen, bedarf es achtsamer Übung. Es ist nicht etwas, was einfach dadurch erreicht werden kann, dass man unterrichtet wird.
Die Worte der Klassiker und der Abhandlungen sind nicht schwer zu verstehen, aber wenn zu viel erklärt oder angemerkt wird, ist es schwer zu vermeiden, dass die eigenen Ideen mit hinein gemischt werden, was leicht dazu führt, dass die ursprüngliche Bedeutung verloren geht. In diesem Buch werden daher die Originaltexte verwendet, ohne zusätzliche Interpretationen beizufügen. Meiner Ansicht nach ist die Reihenfolge und Anordnung in diesem Buch ausreichend, um die Details und Besonderheiten aus sich selbst heraus deutlich werden zu lassen und kann Hinweise geben, die zu einer richtigen Übungsmethode führen. Um ein hohes Niveau dieser Kunst zu erreichen, bedarf es eines richtigen Verständnisses der Theorie und harter Übung. Da es aber möglich ist, dass meine eigenen Gedanken nicht richtig sind, hoffe ich, dass fortgeschrittene Leser sich die Mühe machen, meine Fehler zu korrigieren.
Ich muss die Zusprache und Unterstützung meines älteren Mitstreiters, Mr. William C. C. Chen, bei der Veröffentlichung dieses Buches anerkennen. Außerdem möchte ich mich bei meinen alten Freunden, Herrn Ron Koenecke und Nora Zhu (Frau Koenecke), meinen Anhängern, Herrn Richard Brzustowicz, Jr. und Herrn Bernhard Tony Zayner sowie Herrn Andrew Heckert aus Philadelphia bedanken, die geholfen haben den Originaltext und seine anschließende Übersetzung ins Englische zu prüfen.




Anmerkung zur deutschen Übersetzung

Die Schwierigkeit einer Übersetzung klassischer Texte der chinesischen Kultur ist wohl jedem Leser vorstellbar. Die große Mühe, die sich Dr. Tao gemacht hat, westlichen Taijiquan Übenden die Taiji Klassiker und Abhandlungen nahezubringen und diese als Anregung für unsere Entwicklung speziell zu ordnen, ist eine Leistung für die wir ihm sehr danken.
Die Unzulänglichkeit dieser Übersetzung aus dem Englischen ist den Herausgebern und dem Übersetzer bekannt. Der deutsche Text ist also lediglich eine Lesehilfe für alle, die sich dem englischen Text aus sprachlichen Gründen nicht nähern können.
Ganz gleich in welcher Sprache man ihn liest, er erschließt sich erst durch sorgfältiges und achtsames Üben.
Düsseldorf, Oktober 2000
Detlef Klossow

Unter der Oberfläche der Klassiker des Tai Ji Quan
von Ping Siang Tao

1. Die Zielrichtung

Nach welchem Maßstab beurteilen wir die Grundlage und die Anwendung der Übungen? Die richtige Methode ist, dass der Geist befiehlt und der Körper (Kochen und Muskeln) gehorcht.

Was ist das Zielrichtung von push hands? Dauerhafte Jugend und ein langes Leben.

Der Originalkommentar besagt: Dies sind die überlieferten Worte des taoistischen Patriarchen, Chang San Feng vom Wu Dang Berg. Er wollte, dass die heldenhaften und großherzigen Menschen der Welt ein langes Leben haben und nicht ihr Leben mit Bemühungen um weniger wichtige Techniken verschwenden.

2. Die Schulen

Es gibt viele Boxschulen, in denen das Unterrichten auf Kampf ausgerichtet ist; obwohl sie sich alle unterscheiden, gehen sie nicht über das Konzept hinaus, sich beim Ausmerzen von Schwäche auf Stärke zu verlassen oder das Langsame zugunsten des Schnellen weichen zu lassen. Das Kraftvolle schlägt das weniger Kraftvolle und das Langsame tritt zurück vor dem Schnellen. Dies aber ist lediglich ein Ergebnis von körperlicher Anstrengung und nicht von praktischer Anwendung oder Erfahrung [der Prinzipien von Chang San Feng A . d . Ü . ].

3. Der Grundsatz

Das Taiji stammt vom Unbegrenzten (Unendlichkeit oder Wuji) und ist Ursprung (Mutter) des Yin und Yang. Wenn es sich bewegt, trennt es; wenn es ruht, verbindet es.

4. Die Methode des Lernens

Mündliche Führung durch einen fähigen Meisters, verbunden mit beständiger Übung, wird dich an einen Punkt bringen an welchem die Kultivierung deiner Fähigkeiten für sich selbst sorgt.

5. Die Voraussetzungen

Geist (yi). [Bewußtheit / Achtsamkeit, Absicht…A.d.Ü.]
Alle Bewegungen sollten vom Bewusstsein (Absicht) bestimmt werden und nicht von äußeren Erscheinungen. Bei Bewegungen nach oben oder unten, vor oder zurück, nach links oder rechts, zeigt sich derselbe Geist (Gesinnung).

Geist (xin) [Herz-Geist, Wille …A.d.Ü.].
Zuerst der Geist (xin), dann der Körper (wenn der Unterbauch völlig entspannt ist, kann das Chi von selbst im Körper steigen); dann kann das Chi die Knochen durchdringen. Wenn Geist und Körper zwanglos entspannt sind, kannst du dich stets so bewegen wie dein Geist lenkt.

Der Geist (xin) hat die Kontrolle.
Der Geist sollte die Bewegung des Chi lenken. Das Chi sollte vollständig beruhigt sein. Dann wird es in die Knochen eindringen.

Chi
Chi ist wie eine Fahne. Wenn das Chi frei zirkuliert, bewegt es den Körper (Chi wirkt wie ein Wagenrad).
Wenn Chi in der richtigen Art kultiviert wird, wird der lebendige Geist geweckt. Dies lässt Langsamkeit und Ungeschicklichkeit des Körpers verschwinden.

Taille
Die Taille ist wie ein Banner (wie eine Achse, wie die Erdachse). Gebe stets Acht auf deine Taille. Die Taille ist der Ursprung des Kommandos (die Taille herrscht).

Opfere den Ehrgeiz
Opfere zuerst deinen eigenen Ehrgeiz und folge anderen, aber lerne diese Techniken richtig. Die kleinste Abweichung wird dich von diesem Pfad abbringen.
Sogar ein Fehler, so klein wie das Abknicken eines einzelnen Haares kann zu einer Abweichung von eintausend Li führen (ein Li ist etwa ein halber Kilometer). Schüler müssen dies genau untersuchen.

Ohne Überschuss oder Mangel
Nachdem du dem Druck eines Gegners nachgegeben hast, hafte an ihm. Anschließend dehne dein Bewusstsein zu deinem Gegner hin und lasse deine Bewegung ihn erreichen. (Nach dem du dem Druck nachgegeben hast, beuge dich. Anschließend folgt Ausdehnung und Belohnung). Das Gerade kommt aus dem Gebogenen.

Beugen und Ausdehnen; Öffnen und Schließen
Die Bewegungen des Beugens und des Ausdehnens, des Öffnens und Schließens können wie von selbst geschehen (frei und spontan).

Zurückweichen und Anhaften
Ist der andere stärker als ich, muss ich weich werden und seinem Angriff nachgeben. Das nennt man Zou. Zurückweichen.
Ist meine Lage besser als die meines Gegners (er wird mühelos beherrscht), nennt man das Nien, Anhaften.

(Geschwindigkeit) Antworte schnell auf schnelle Bewegungen und langsam auf langsame.




6. Grundkonzepte

Form
Beginne beim Üben mit größeren Bewegungen und reduziere sie auf kleinere. So werden sie vollkommen kompakt.

Die dreizehn Körperhaltungen sollten nie vernachlässigt werden. Du solltest hingebungsvoll die jeweils spezielle Bedeutung würdigen und dann wirst du den Sinn jeder Haltung verstehen. Wenn du achtsam deine Haltungen untersuchst, wirst du nie das Gefühl haben, Zeit oder Energie zu verschwenden.

Irrtümer beim Üben
Es ist wirklich schade, wenn man Sinn und Zweck des Übens nicht kennt! Dann wird man Zeit und Energie verschwenden.

Push Hands
Der Nutzen von Abwehren, Zurückrollen, Drücken und Schieben sollte Gegenstand sorgfältiger Studien sein. Wenn Oben und Unten im Körper miteinander verbunden sind, wird es keinen Spalt geben, durch den ein anderer eindringen kann.

Lass den Gegner große Kraft gegen dich einsetzen. Lenke die Wucht von eintausend jin (ein jin ist etwa ein Pfund) durch den Einsatz einer mühelosen Kraft von nur vier Unzen ab. Führe Deinen Gegner einwärts. Lass ihn das Gleichgewicht verlieren und konzentriere deine Kraft in diesem Moment.

Hafte an (Nien), sei verbunden (Lien), klebe (Tie), folge (Sui) und verliere weder den Kontakt (ziehe weder aktiv zurück), noch drücke gegen Widerstand (bu diu, bu ding).

Beachte die Worte „die Kraft von eintausend jin ablenken durch den Einsatz einer auslösenden Energie von vier Unzen“, die eindeutig besagen, das Spiel nicht mit bloßer Kraft zu gewinnen.

Beobachte Form und Geschwindigkeit eines alten Mannes (von 80 oder 90 Jahren), der sich gegen einen jungen Mann verteidigt. Wie gelingt ihm dies so gut?

7. Richtlinien für den Körper

Die Krone deines Kopfes (Akupunkturpunkt: bai hui) sollte sitzen, als würde sie nach oben gehoben, aber dein Hals sollte deinen Kragen nur leicht berühren. Es sollte sich anfühlen, als sei dein Kopf an einer Schnur aufgehangen.

Wenn dein lebendiger Geist angehoben ist, brauchst du dich um Schwerfälligkeit und Langsamkeit nicht zu sorgen .

Das ist was damit gemeint ist, dass dein Kopf an einer von oben hängenden Schnur aufgehängt ist.

Wenn das Steißbein und die Wirbelsäule gerade gehalten werden, erreicht der Geist die Krone des Kopfes. Wenn der Kopf so gehalten wird, als sei er von oben her an einem Faden aufgehängt, fühlt sich der ganze Körper leicht und gewandt an.

Beim Stehen sollte der Körper aufrecht und entspannt sein. Er sollte einer Waage gleichen und in der Lage sein auf einen Angriff aus jeder der acht Richtungen sofort zu antworten. Seine Bewegungen gleichen denen eines Wagenrads .

8. Anforderungen an die Körperhaltungen

(Leichtigkeit und Gewandtheit)
Bei jeder Bewegung sollte der ganze Körper leicht und gewandt (belebt) sein.

(Der ganze Körper sollte so leicht sein, dass sogar die Berührung einer Feder bemerkt würde und so empfindsam, dass sogar eine Fliege keinen festen Platz zum Landen finden könnte.)

Verbundenheit
Man sollte verbunden sein, d.h. alle Körperteile sollten miteinander so verbunden sein wie aufgefädeltes Münzgeld (alte Chinesische Münzen mit quadratischen Ausschnitten in der Mitte). Fehlerfreies Boxen wurzelt in den Füßen, entwickelt sich in den Beinen, wird von der Taille gesteuert und wirkt durch die Finger. Füße, Beine und Taille müssen wie eine Einheit zusammen wirken. Wenn dies beim Voranschreiten und Rückzug beachtet wird, kannst du die Vorteile, die dein Gegner dir bietet und die aus deiner mühelosen Energie (Momentum) heraus, nutzen.

Irrtümer beim Üben
Wenn es dir nicht gelingt, dir diese Vorteile bei Gelegenheiten und aus deinem Momentum zunutze zu machen, wird dein Körper ungeordnet und durcheinander sein. Um dies zu korrigieren, richte einfach deine Taille und Beine aus.

Chi
Das Chi (oder der energetische Impuls) sollte sich wie eine Welle durch den Raum bewegen.

Das Chi sinkt (ohne Zwang) zum Dan Tien (im Inneren des Bauches unterhalb des Nabels). Wenn der Bauch völlig entspannt ist, kann das Chi frei im Körper steigen.
Die Atmung muss natürlich sein, damit deine Bewegungen aktiv und voll er Wachsamkeit sind.

Das Chi wird dann ohne Hindernis durch deinen Körper fließen.

Das Chi (oder der energetische Impuls) sollte durch deinen Körper fließen als ob es mit Leichtigkeit durch die Perle mit den neun Zick-zackwegen gefädelt würde [Anspielung auf eine Geschicklichkeitsübung für Mädchen Anm.d. Ü.]. Dann gibt es nichts, was du nicht erreichen kannst.

Wenn das Chi auf natürlicher Art und Weise und mit einem sanften Geist gepflegt wird, wird kein Schaden hieraus erwachsen.

Der Lebensgeist (Shen) [Spiritueller Geist, Beseeltheit A.d.Ü.]. Der Lebensgeist sollte im Inneren zurückgehalten werden.

(Daraus ergibt sich folgende Verbindung: Leichtigkeit und Beweglichkeit müssen verbunden werden mit Chi und Lebensgeist.)

Zeige weder:
• Mangel noch Kräfteverfall
• Vorwölbung noch Einwölbung
• Getrenntheit noch Zersplitterung

Alle Teile des Körpers müssen verbunden sein, Zentimeter für Zentimeter ohne Lücke oder Bruch in der Stetigkeit.

Die Kraft oder die Energie des Langen Boxens (ein anderer Name für Taijiquan) fließen unaufhörlich wie der Yang Tze Fluß oder ein großes wellenbewegtes Meer.

Abwehren, Zurückrollen, Schieben, Pressen, Ziehen, Spalten, Ellbogen- und Schulterstoß (die acht Übungen von Push Hands) korrespondieren mit dem Acht Trigrammen des I Ging.

Schritt nach vorn, Zurückweichen, Nach-links-sehen, Nach-rechts-blicken und Zentriertes Gleichgewicht korrespondieren mit den Fünf Wandlungsphasen [Elementen] (der chinesischen Naturphilosophie).

Abwehren, Zurückrollen, Schieben, Pressen, korrespondieren mit Jian, Kun, Kan, und Li (den vier Seiten der Trigramme).

Ziehen, Spalten, Ellbogen- und Schulterstoß korrespondieren mit Sun, Zhen, Dui und Geng (den vier Diagonalen der Trigramme).

Schritt nach vorn, Zurückweichen, Nach-links-sehen, Nach-rechts-blicken und Zentriertes Gleichgewicht korrespondieren mit Metall, Holz, Wasser, Feuer und Erde (den fünf Wandlungsphasen) .

In Kombination ergeben diese fünf Schritte und acht Körperhaltungen die ursprünglichen dreizehn Körperhaltungen des Taijiquan.

9. Leer und Voll

Der Wechsel zwischen Leer und Voll sollte achtsam (Yi) vollzogen werden.
Bewusstheit (Yi ; Achtsamkeit) und Chi (oder mühelose Energie) sollten behutsam im Austausch sein. Das ist sehr befriedigend. Das nennt man wechselseitigen Austausch oder Austausch von nicht- Leer und Voll.

Leer und voll müssen klar unterschieden werden. Jede Erfahrung beim Boxen hat gleichzeitig in jedem Augenblick leere und volle Bestandteile. Beim Boxen trägt der ganze Körper Aspekte des Leeren oder Vollen.

Obwohl Situationen sich verändern wie ein Kaleidoskop, bleiben die Grundsätze dieselben.

10. Die Techniken (Push Hands und Anwendungen)

Wenn etwas oben geschieht, muss man unten achtsam sein. Wenn etwas vor einem geschieht, muss man auf das was hinten geschieht Acht geben. Wenn etwas links von einem geschieht, muss man auf die rechte Seite achten. Wenn man etwas hochheben will muss man gleichzeitig nach unten gehen, Gleichwie man einen Baum herausreißt, indem man ihn zuerst in die Gegenrichtung bewegt und darauf in der Lage ist ihn sofort zu entwurzeln.

11. Energie „hören“

Beuge dich nicht zur Seite und lehne nicht nach vorne oder hinten (die Übungen müssen in aufrechter Haltung gemacht werden).
Der wahre Kern der Haltungen sollte plötzlich verborgen oder plötzlich gezeigt werden.
Wenn der Gegner Druck gegen deine linke Seite anwendet, sollte diese Seite leer sein. Wenn Druck auf die rechte Seite ausgeübt wird, sollte diese verschwinden.

Wenn der Gegner nach oben strebt, solltest du folgen, indem du höher bist. Wenn der Gegner sich nach unten bewegen möchte, solltest du folgen, indem du tiefer bist. Ein Gegner der versucht vorzurücken, sollte das Gefühl bekommen, dass der Abstand zu dir unglaublich groß wird. Ein zurückweichender Gegner sollte das Gefühl bekommen, dass der Abstand erschöpfend kurz ist.

Wenn der Gegner sich nicht bewegt, solltest du dich nicht bewegen. Deine Bewegung sollte die geringste Bewegung deines Gegners vorwegnehmen. Du erreichst das Ziel zuerst.

Das Ideal

Nicht einmal eine Feder kann dem Körper hinzugefügt werden, noch kann eine Fliege auf ihm Platz finden. Die andere Person weiß nichts über mich, aber ich kenne sie sehr gut. Warum ist der Held stets unbesiegt? Nur aus diesem Grund.
Da wo Energie scheinbar locker ist, aber nicht wirklich locker, ist sie kurz davor sich zu entfalten, hat es aber noch nicht getan. Auch wenn deine Energie unterbrochen ist, solltest du nicht zulassen, dass deine geistige Achtsamkeit gebrochen wird.

Hereinziehen ist befreiend (freisetzend). Wenn Energie unterbrochen wird, kann sie nun neu verbunden werden.

Halte deinen Körper gesunken und auf einer Seite gewichtet. Dann wird deine Energie ununterbrochen fließen. Ansonsten, wenn dein Gewicht auf beide Seiten verteilt ist, ist dein Körper doppelgewichtet und du wirst dich schwerfällig bewegen.

Irrtümer beim Üben

Auch wenn man seit Jahren T`ai Ji Quan intensiv geübt, doch niemals die vorstehenden Punkte gelernt hat, wird man immer noch von anderen kontrolliert. Dies nur weil man den Fehler der doppelten Gewichtsverteilung noch nicht erkannt hat.

Um diesen Fehler zu vermeiden, verstehe die Gesetzmäßigkeit zwischen Yin und Yang (ihre wechselseitiges Beziehung).
Das nennt man die Innere Energie der verschiedenen Körperhaltungen verstehen.

Um Geschicklichkeit im Schlagen zu erlangen, verstehe allmählich die Innere Energie der Körperhaltungen; dann wirst du erstaunliche Wirkungen erzielen. Du musst lange üben. Du kannst nicht erwarten, alles sofort zu erreichen.

Die Innere Energie der Körperhaltungen zu verstehen, bedeutet, je mehr du übst, desto besser werden deine Fähigkeiten. Lote in Ruhe und innerlich die Unterschiede aus. Folge deinem Weg, Schritt für Schritt.

12. Innere Energie

Gebrauche deine Energie als ob du einen seidenen Faden von einer Seidenraupenpuppe ziehst (kontinuierlich).
Die Kraft wird gereinigt sein wie Stahl, der hundertfach verfeinert wurde .

Du wirst dich vom Biegsamsten und Nachgiebigsten zum Kraftvollsten und Härtesten verwandeln, dem nichts standhalten kann.

Energie sollte zurückgehalten werden, so dass du immer welche übrig hast (verausgabe sie nicht vollständig). Vor dem Angriff, solltest du zunächst deine Kraft nach innen ziehen (sammeln).

Energie zurückzuhalten oder zu speichern, ist wie eine Bogensehne zu spannen. Sie frei zu setzen, ist wie einen Pfeil abzuschießen.

Auszustoßende Energie sollte zuerst tief sinken. Entspanne dich vollständig und ziele in eine einzige Richtung.

Während du dich bewegst, sollte das Chi an deinem Rücken haften und sich in deinem Rückgrat sammeln. Innerlich solltest du deinen Geist sammeln. Äußerlich solltest du ruhig und friedlich erscheinen.

Die Energie wird vom Rückgrat entwickelt.
Deine Schritte müssen in Übereinstimmung mit deiner Körperhaltung wechseln. Gehe wie eine Katze.

Wenn die Bewegungen vor und zurück wechseln, gebrauche die Methode des Zusammenfaltens (diese Technik benutzt alle Gelenke des Körpers). Die Körperhaltungen sollten beim Voranschreiten und Rückzug wechseln.

Verhalte dich wie ein Habicht, der einen Hasen greift oder empfinde den Geist der Katze nach, die eine Ratte beobachtet.

Wenn ein Gegner meinen bewegungslosen Körper berührt, bleibe ich obwohl dies Bewegung verursacht, gelassen. Meine Reaktionen auf die Veränderungen meines Gegners sind erstaunlich und überraschend.

Denke daran : Sowie du dich überhaupt bewegst, muss sich jeder Teil dein es Körpers bewegen. So bald du innehältst, sollte sich kein Teil weiterbewegen .

Wenn du in der Form (Chi und Energie) ruhig bist, sei wie wie ein Berg.
Wenn du dich bewegst, fließt die Kraft ununterbrochen wie ein langer Fluss oder die Wellen des Meeres.
Achte genau auf den Geist der den ganzen Körper bestimmt. Schenke deinem Chi oder deiner Atmung keine besondere Aufmerksamkeit; sonst werden deine Handlungen geschwächt und schwerfällig.

Wenn du auf dein Chi ( und die Atmung) acht gibst, wirst du keine Energie haben; wenn du dein Chi nicht zwingst, wird deine Energie stark und fest sein.

Surfftipps zum Thema „Taijiquan Klassiker“

Englische Version dieses Artikels auf Taiji-Forum.com

Die Klassischen Schriften des Taijiquan Nils_Klug-Dr-Tao

Chinesische Philosophie

Push Hands mit Dr. Tao Ping Siang

Bilder von Dr. Tao



Autor: Dr. Tao Ping Siang

Fotos: Nils Klug