Schwert - DIE KÖNIGIN UNTER DEN WAFFEN

DIE KÖNIGIN UNTER DEN WAFFEN – Tai Chi Schwert 6

Bereits seit ihrer ersten Herstellung sind Schwerter von einer speziellen Magie umgeben. Durch die Geschichte hindurch bekam keine andere Waffe üblicherweise einen Namen bzw. eine spirituelle Identität. Gilgamesh* schwang die ‚Klinge der acht Talente’. Im „Lied des Roland“ wurde es ‚Durandel’ (Beständiges/Dauerhaftes) genannt. Musashi’s bedeutendster Gegner, Kojiro, nannte sein langes Katana ‚Schwalbe’. Karl der Große nannte seins ‚Joyeuse’ [die Freudige]. Das berühmteste Schwert in der westlichen Überlieferung ist König Arthur’s ‚Excalibur’.

Schwert - DIE KÖNIGIN UNTER DEN WAFFEN

Im 12. Jahrhundert wurde die japanische Fechtkunst zu einem heiligen und künstlerischen Status erhoben. Der Vater der Götter, Izanazi No Mikato benutzte ein Schwert mit dem Namen ‚Tatsuka No Tsurugi’, um den Feuergott zu töten. Ein Schwert genannt ‚Der Grasschnitter’ ist eines der drei göttlichen symbolischen Schätze, gemeinsam mit einem Juwel und einem Spiegel, die traditionell und bis zum heutigen Tage neben dem Thron des Kaisers ruhen. Das Schwert steht für Stärke, der Juwel für Gnade und der Spiegel für Wissen. Das chinesische zweischneidige Schwert, das malayische/indonesische Kris, und die Schwerter der Wikinger wurden ähnlich verehrt, als eine spirituelle Komponente besitzend angesehen, und ihnen wurden magische Namen gegeben.

Feuerwaffen, die aufkamen und Schwerter im Krieg obsolet machten, haben nie einen solchen magischen Status wie die Schwerter erreicht. Eine Ausnahme davon wäre die kurze Zeit von 1850 bis 1900 im Amerikanischen Westen, als die schnell Ziehenden und sicher Schießenden die Vorstellung eines großen Teils der Welt durch Bücher und später im Kino eroberten.

Tai Chi Schwert
Tai Chi Schwert

Es ist interessant, die rasche Ausbreitung schwertbezogener Filme, die in den letzten Jahre produziert und sehr gut aufgenommen worden sind, zu bemerken.

Vielleicht begann alles mit der „Star Wars“-Reihe, in der das ‚Lichtschwert’ die Waffe war, die von den höchstrangigen Kriegern benutzt und respektiert wurde. Dann, einhergehend mit „Gladiator“, kam eine Flut von Schwert-Streifen heraus: dazu gehören „Ghost Dog“ [deutscher Titel: „Ghost Dog – Der Weg des Samurai“], „Spartacus“, „The last Samurai“ [Last Samurai], „Crouching Tiger hidden Dragon“ [Tiger and Dragon], „King Arthur“, „Kill Bill“, „Hero“, „Zatoichi“, plus die Fernsehserie „Highlander“.

In allen diesen Arbeiten wurden Schwerter als Waffen gezeigt, die zu ihrem Gebrauch großes Können genau so wie hehre und (hoch)geistige Qualitäten voraussetzen, während auf Feuerwaffen und Strahlen-Pistolen herabgeguckt wurde als ehrlos, ineffektiv oder gar unkultiviert. Auf jeden Fall scheinen Schwerter und die Fechtkunst die Vorstellungskraft der Zuschauer erneut inspiriert zu haben, und das Schwert tritt als ‚einstige und zukünftige Waffe’ in Erscheinung.

*Der „Epos des Gilgamesh“ wurde mindestens 1.500 Jahre vor Homer geschrieben. Diese früheste der Erzählungen wurde auf Tontafeln erhalten und wurde im letzten Jahrhundert entschlüsselt.

Autor: Kenneth van Sickle
Übersetzerin: Gabi Kannenberg
Fotos: Kenneth van Sickle und Taiji Forum