ZEITPUNKT UND STIMMUNG - Tai Chi Schwert 9

ZEITPUNKT UND STIMMUNG – Tai Chi Schwert 9

In China sagt man, dass man nicht mit den Schwertstudien anfangen soll, bevor man nicht zehn Jahre lang Tai Chi Studien betrieben hat.*

ZEITPUNKT UND STIMMUNG - Tai Chi Schwert 9

Ich mutmaße, dass es in früheren Zeiten, als man scharfe Stahlwaffen bei den Übungen benutzt hat, unvorsichtig gewesen wäre, mit diesen tödlichen Instrumenten ohne Jahre beaufsichtigter Übung herumzufuchteln.

Ich selbst empfinde es so, dass Push Hands tatsächlich ein schwierigeres Unterfangen ist als Fechten. Denk darüber nach: beim Fechten manövrieren wir herum mit dem Ziel Arm oder Körper von O mit der Kante oder der Spitze unserer hölzernen Klinge zu berühren. Beim Push Hands ist das Berühren eines substanziellen Teils des Körpers von O mit unserer Hand hingegen nur der Beginn der Aktion.

Jemandes Hand auf dem eigenen Körper zu haben, ist für viele deutlich bedrohlicher als von einer hölzernen Klinge ‚berührt’ zu werden. Für mich fühlt sich Fechten freier, leichter und weniger kompliziert an.

Wenn du Tai Chi-Praktizierende beim Fechten beobachtest, wirst du mehr Lachen hören als bei jeder anderen Tai Chi-Aktivität und vielleicht hast du beim Ansehen von Filmen mit dem fechtenden Professor Cheng beobachtet, dass er definitiv ‚amüsiert’ war.

Während wir die ‚Klingen kreuzen’, machen wir ständig dumme Fehler. Wir denken, während wir reagieren sollten, und attackieren, wenn wir verteidigen sollten. Wir begegnen unerwarteter Brillanz, sonderbaren Ironien. Wir erfahren skurrile Exzesse, ertragen aufgeblasene Egos und versteckte Agenden, genießen raffinierte Anspielungen und beteiligen uns an ausgemachtem Slapstick. Wir werden verbessert, ermahnt, zu Rate gezogen und gelobt, alles in ‚einem guten Kampf’, um den Schwertfeen** zu gefallen.

*Cheng Man Ch’ing begann die Schwertform im dritten oder vierten Jahr zu lehren.
** Die Schwertfeen „Tengu“ sind mythische Wesen, halb Mensch, halb Vogel, die in den Wäldern leben und jeden, der sie benötigt oder nachfragt, die Raffinessen der Fechtkunst jeden lehren.

Autor: Kenneth van Sickle
Übersetzerin: Gabi Kannenberg
Fotos: Kenneth van Sickle und Taiji Forum