KENNETH VAN SICKLE - Tai Chi

KENNETH VAN SICKLE – Tai Chi Schwert

Bei Peter Urban, der in Japan Schüler bei Yamaguchi Gogen ([genannt] „Die Katze“) gewesen war, begann ich 1960 Goju Karate zu lernen; 1967 wurde mir der schwarze Gurt dritten Grades verliehen.

KENNETH VAN SICKLE - Tai Chi

An diesem Punkt angekommen wurde ich desillusioniert von einigen Aspekten des Karate, wie es mich gelehrt wurde – mit all seiner Brutalität und dem Fehlen philosophischer Tiefe, z. B. „Wenn dein Gegner ertrinkt, wirf ihm einen Anker zu“.

So begann ich die Suche nach einer (Kampf)kunst, die ein Element von Spiritualität/Philosophie enthält. Ich habe Unterricht in Gung Fu, Kyudo, Iai und Ju Jitsu, um nur einige zu nennen, verfolgt. Dann erzählte mir ein Freund, dass es einen alten chinesischen Arzt gäbe, der Tai Chi in der Canal Street lehren würde, sein Name sei Professor Cheng Man Ch’ing.

Ihn das erste Mal zu sehen, war eine andere Welt und Kultur zu sehen. Er ähnelte den alten Meistern in den Gung Fu-Filmen. Sofort schrieb ich mich ein.

Drei- bis viermal die Woche ging ich zum Training in die Canal Street 211. Zuerst lernte ich die Form, dann Push Hands, die Schwertform und Fechten. Ich machte es zu meiner Angelegenheit, so viel wie möglich mit dem Professor und seinen fortgeschrittenen Schülern zu fechten. Zusätzlich besuchte ich seine Vorlesungen über Taoismus, Malerei, Kalligrafie und Dichtkunst.

Kurz nachdem ich sein Schüler geworden war, fragte ich nach einer Erlaubnis zu fotografieren – später wurde ich sein offizieller Fotograf und Kameramann. Auf diese Weise bekam ich Zugang zu anderen Facetten von Cheng Man Ch’ings Leben.

Ich glaube, es war 1972, als er anfing seinen ersten „Sechs“ und seinen zweiten „Sieben“ Schülern Spezialunterricht zu geben. Ausgewählt, als Lehrer zertifiziert zu werden, unterzogen wir uns einem intensiven Training in Handform und in Schwertform; wir besuchten sämtliche Push Hands- und Fechtstunden.

Ich wurde Übungsleiter und setzte mein Lernen bei ihm bis zu seinem Tod im Jahre 1975 fort.

Eigenverantwortlich zu unterrichten begann ich 1980. Ich leitete Kurse in Manhattan und Brooklyn und gab Privatunterricht in meinem Studio in der 5th Avenue.

KVS raise Hands

An einem bestimmten Punkt wurde mir bewusst, dass sich die Tai Chi-Schulen, obwohl es davon viele in der Gegend von New York gab, nie trafen. Sogar als ich ein Karateka war, besuchten wir andere Schulen, um Freestyle zu üben. Um 1985 herum mietete ich ein Studio für einen Abend in der Woche – zwei Stunden lang – und ließ wissen, dass jeder aus jedwedem innerem Kampfkunststil willkommen sei, um Push Hands, weiche Hände oder klebende Hände, wie immer ihr Stil es nannte, miteinander zu „spielen“. Zuerst gab es verschiedene Haltungen dazu, wer ‚es’ richtig oder falsch machte, oder wessen Meister höherrangig war, aber schnell realisierte man, dass dieses Sich-neuen-Leuten-Aussetzen die eigene Gong Fu-‚Disziplin’ verbesserte. Das generelle Gefühl der Zusammengehörigkeit, des Reisens auf demselben Weg, rief neue Ideen hervor und brachte neue Freunde mit sich. Bis 1995 leitete ich diese Zusammentreffen.

Ich habe mehrere Chi Gung-Sets sowie einiges Bagua kennengelernt; viel habe ich auch von Maggie Newman, Don Ahn, Bruce Frantzis und Dr. Tao gelernt.

Seit 1995 gebe ich Workshops in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Israel. Ich lehre die Form, fühlende Hände, Chi Gung, Schwertform sowie Fechten.

Ich habe drei DVDs produziert: „Tai Chi für Senioren“, „Feder-Schwert Form“ und „Feder-Schwert Fechten“. [Engl. Originaltitel: “Tai Chi for Seniors”, “Feather Sword Form” und “Feather Sword Fencing”]
Kenneth van Sickle

Autor: Kenneth van Sickle
Übersetzerin: Gabi Kannenberg
Fotos: Kenneth van Sickle und Taiji Forum