Das Schwert bewegen

Das Schwert bewegen – Tai Chi Schwert 29

Das Schwert bewegen

Hierbei kommt es auf zwei Dinge an: Das eine ist, wie sich das Schwert bewegt, und das andere, wo die Bewegung herkommt.

Das Schwert ist lang und schmal wie ein Stab; es bewegt sich, soweit es ausgerichtet ist wie ein Pfeil, mit wenig Anstrengung, beim Zustechen ähnlich dem westlichen Fechten. Um einen Schnitt oder eine Schnittwunde zu erzeugen, wird im westlichen Fechten die Spitze benutzt und dabei Kraft aus dem Arm- und Handgelenk geschöpft. Dies funktioniert sehr gut mit den extrem leichten Sportfechtinstrumenten, aber nicht so gut mit den schweren Duellschwertern, die ihnen vorausgingen.

Die Tai Chi Prinzipien weisen uns an, die Spitze zu bewegen, indem wir unseren Griff bzw. unsere Hand in die entgegen gesetzte Richtung bewegen und dabei das Zentrum des ‚Stabes’ relativ unbewegt lassen wie bei einem Hebel, was wenig Körperkraft im Handgelenk benötigt. Das Tai Chi Schwert, mit seinem Schwerpunkt 2 bis 6 Inches [ca. 5-15 cm] vor der Parierstange, ist am Griff schwerer als andere Schwerter. Dieses Zentrum ist es, indem seine Ruhe liegt, und dies ermöglicht es uns, ein etwas schwereres Schwert leicht und schnell zu bewegen. Unsere Arme bewegen sich nicht viel aus unseren Schultern heraus, sondern werden von unserem Zentrum aus gelenkt.

Tai Chi Schwert
Tai Chi Schwert

Das Schwert bewegen beim Schneiden

Beim Schneiden muss der Bewegung der Klinge besondere Beachtung geschenkt werden. Bei größeren Schnittbewegungen wie „Blocken und Ablenken“ muss das Schwert zunächst seiner Länge nach bewegt werden, wobei der Knauf in Richtung des beabsichtigten Schnittes zeigt. Während wir uns aus unserem Zentrum heraus drehen, wird die Zentrifugalkraft die Geschwindigkeit der Klinge erhöhen und die Spitze nach außen treiben. Anfangs haben der Unterarm und das Schwert dabei einen 90°-Winkel; in dem Moment, in dem das Schwert das Ziel trifft, befinden sich Unterarm und Schwert fast in einer Linie.

Bei kleineren Schnittbewegungen, wie „Troddeln im Wind“, beginnen Unterarm und Schwert in einem Winkel von etwa 45° und bei chirurgischen Schnitten wie „im Gras nach der Schlange suchen“ bleiben Unterarm und Schwert mehr oder weniger in einer Linie.

Bei der Ausführung eines jedweden Schnittes muss die Klinge sich in derselben Ebene wie ihre beiden Schnittkanten bewegen. Jegliche Abweichung davon wird die Klinge abheben oder abtauchen bzw. in gewissem Grade von ihrem beabsichtigten Kurs abweichen lassen.

Bei einer defensiven Aufnahme der Klinge von O hingegen, d.h. beim Kleben, Anhaften, Hören und Neutralisieren, wird die Klinge in dem für diese Fertigkeiten jeweils passenden Winkel gehalten. In der Folge – wenn wir schneiden oder stechen – ändern wir den Winkel der Klinge für den Schnittmodus.

Da die Bewegungen vom Zentrum (Dan Tien) herkommen, bleiben Schwertgriff und Klinge größtenteils zwischen uns und O, während beide sich von unserem Zentrum aus und mit unserem Zentrum bewegen. Dies ist beim Schwert entscheidender als mit leeren Händen, weil viele Kampfkünstler einen starken Boxstoß oder Schlag mit der offenen Hand auf ihren Körper einstecken können, aber niemand auch nur einen Inch [5 cm] scharfen Stahls aufnehmen kann, ohne ernsthafte Unannehmlichkeiten zu erleiden.

Autor: Ken van Sickle
Übersetzung: Gabi Kannenberg
Fotos: Ken van Sickle und Taiji Forum

Englische Version des Buches Tai Chi Schwert

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